Ich fuehlte, wie der Zorn in mir hochstieg. Ich konnte ja
Janets Reaktionen ja bis zu einem gewissen Grade verstehen,
aber diese kalte Dusche hatte ich nicht verdient!
Ich schlug noch ein letztes Mal kraeftig mit der Faust gegen
die Tuerfuellung, wandte mich meinem immer zahlreicher
werdenden Publikum an Fenstern, Tueren und Balkonen zu und
rief mit lauter Stimme:
"Na schoen, Janet! Wenn du unbedingt willst, kann ich meine
Erklaerung, warum du mich mit einem Maedchen im Bett
erwischt hast, auch hier draussen in aller Oeffentlichkeit
abgeben!"
Eine erwartungsvolle Stille breitete sich in der Strasse aus. "Vielleicht ist einer der Anwesenden noch so freundlich, seine verdammte Videokamera herauszuholen!" bruellte ich, nun wirklich zornig. "Damit diese einmalige Szene fuer die Medien nicht verloren geht!" Ein paar junge Leute am Fenster gegenueber lachten und pfiffen laut. Ich hoerte, wie hinter mir die Tuer entriegelt wurde. "Also, passt alle gut auf...", begann ich wild entschlossen. Janet riss die Verandatuer hinter mir auf und zerrte mich hinein. "Hast du jetzt komplett den Verstand verloren", zischte sie mich an. Wir blickten uns ein paar Sekunden in die Augen. Dann brach irgend etwas den Bann und wir klammerten uns wortlos aneinander. "Oh, George. Es tut mir leid", fluesterte Janet in mein Ohr. Ich kuesste sie lange und sagte leise: "Nun, da du mir wieder zuhoerst: Es war falscher Alarm." Sie stuetzte ihre Haende auf meine Brust und schaute mich an. "Wie meinst du das, falscher Alarm? Wer war das Maedchen, und was hat sie in deinem Bett gemacht?" Ich erklaerte ihr rasch die unglueckliche Situation. "Man kann ihr nicht mal einen so grossen Vorwurf machen", schloss ich. "Schliesslich war ich es ja, die ihr geraten hatte... na, du weisst schon." Janet lachte leise und schmiegte sich wieder an mich. "Mein Gott. Und ich haette dich umbringen koennen vor Wut... aeh, naja... bildlich gesprochen, meine ich." "Janet?" "Hmm?" Ich zoegerte. "Frank sagte... als du so wuetend abgehauen bist, sagte er... naja, er meinte, ich sei ein Idiot, weil er natuerlich dachte, dass ich mit Pat ins Bett gegangen waere, und..." Irgendwie verlor ich den Faden. Janet sah mich aufmerksam an. "Was hat Frank gesagt, George?" "Ach, vergiss es. Es war vielleicht auch nicht wichtig..." "WAS hat er gesagt?" "Naja", stotterte ich und liess meinen Blick ziellos durch den Raum schweifen, "er meinte, dass du mich vielleicht ganz gerne leiden wuerdest, und dass ich mich schaemen solle, und so... verstehst du?" Wie von einem Magneten angezogen fanden sich unsere Blicke. Janet sah mich lange schweigend an, dann laechelte sie sanft. "Du dummer grosser Idiot", sagte sie zaertlich und riss mich an den Haaren. "Natuerlich mag ich dich gut leiden. Ich liebe dich einfach." Zack! Da war es heraus. So simpel. Ich liebe dich einfach. Warum hatte ich das nicht sagen koennen? Ich beeilte mich, es gebuehrend nachzuholen. Eine Stunde spaeter fuhr ich ploetzlich hoch. "Janet! Wir haben Frank ja ganz vergessen." Ich sprang aus Janets gemuetlichen Bett und begann, mich hastig anzukleiden. "Was is los?", murmelte Janet schlaftrunken. "Frank! Er ist immer noch in meinem Apartment und passt auf das Maedchen auf. Ausserdem muessen wir ihm seinen Wagen zurueckbringen. Los, komm! Raus aus den Federn. Ich kann nicht zwei Autos gleichzeitig fahren." "Fahr DU mit Franks Auto und nimm dann sofort ein Taxi hierher", murmelte sie und vergrub ihren suessen Wuschelkopf wieder in den Kissen. "Ich warte hier auf dich", fuegte sie unnoetigerweise noch hinzu. Ich kuesste sie noch einmal auf ihren suessen Po, der dekorativ aus den Laken herausschaute, was sie mit einem zufriedenen Schnurren quittierte, und machte mich auf den Weg. In meinem Apartment brannte Licht. Aber nur Nostradamus begruesste mich im Schlafzimmer. Er hatte es sich auf meinem Kopfkissen bequem gemacht, obwohl das strengstens verboten war. Seine gruenen Augen funkelten amuesiert, so als ob er sagen wollte: "Ist ja endlich mal richtig was los in dieser langweiligen Bude! Und was kommt jetzt?" Ich wollte ihn gerade wie gewohnt mit dem anderen Kissen vom Bett scheuchen, als ich einen Zettel bemerkte, den jemand unter sein Halstuch gestopft hatte. "Hallo George", stand darauf in Franks krakeliger Schrift. "Pat hat mir alles erklaert. Tut mir leid, alter Junge, dass ich dich unnoetig verdaechtigt habe. Aber bei dir weiss man ja nie! Wir haben lange auf dich gewartet (keine Angst: uns ist die Zeit nicht lang geworden). Dann habe ich Pat zum Essen eingeladen. Ich ruf dich morgen an. Gruss, Frank." Und darunter in einer anderen Schrift, ganz klein: "Lieber George, es tut mir so leid, dass deine Freundin so boese auf dich war. Wenn du willst, kann ich ihr alles erklaeren. Pat." Ich laechelte in mich hinein. Das wuerde nun nicht mehr noetig sein. Ich stand da und lauschte. Es war ganz ruhig in der Nachbarschaft. In der Ferne hoerte man das Rauschen der Grossstadt. Irgendwo bellte ein Hund periodisch. Immer dreimal, Pause, dann viermal, Pause, dann wieder dreimal. Neben dem Bett lag immer noch die Walther, da, wo ich sie hingelegt hatte. Ich bueckte mich und hob sie auf. Dabei fiel mir etwas
auf: mein Bett war total zerwuehlt. Mehr, als ich es im Erinnerung hatte. Ich steckte den Zettel in die Tasche und wandte mich zur Tuer. Janet wartete auf mich. Ein warmes Gefuehl durchflutete mich. Jemand wartete auf mich.