Ich knipste das Licht an und sprang gleichzeitig geduckt so
weit wie moeglich schraeg ins Zimmer. Ich meinte einen
gedaempften Schrei zu hoeren. Die Walther mit beiden
Haenden erhoben, wie auf dem Schiessstand schwenkte ich
rasch durch ganze Zimmer. Nichts. Verbluefft richtete ich
mich auf. Das Fenster war geschlossen, Schrank hatte ich
keinen, wo man sich verstecken koennte. Ploetzlich sah ich
eine Bewegung, aber da, wo ich meinen Feind am
allerwenigsten vermutet haette:

Unter der Bettdecke zuckte es hektisch, und nun hoerte ich auch, was ich als Schrei interpretiert hatte. Unter der Bettdecke versuchte jemand krampfhaft, sein Kichern zu unterdruecken. Mit einem Schritt war ich am Bett und zerrte die Decke fort. Pat lag wie ein Rauschgoldengel splitternackt in die Kissen gebettet und laechelte mich verlegen an. Dann, bevor einer von uns ein Wort sagen konnte, fiel ihr Blick auf die Walther, die ich immer noch erhoben in der rechten Hand hielt. Ein spitzer Schrei, der mich aus meiner Erstarrung aufschreckte; sie entriss mir die Bettdecke und zog sie sich bis unters Kinn hoch. "Oh... aeh", sagte ich, nicht sehr schlagfertig. "Kein Angst. Ich... aeh... will dir nichts tun... ich..." Ich legte die Waffe hastig ausser Sichtweite auf den Boden. "Pat! Um Gottes Willen, was machst du hier. Ich... ich hatte dich fuer einen Einbrecher gehalten." "Mister Moltke", fluesterte sie. "George", sagte ich automatisch. "Wenn du schon nackt in meinem Bett liegst, dann nenn' mich bitte auch George." Meine Nerven beruhigten sich etwas. Die Situation entbehrte nicht einer gewissen Komik, das musste ich zugeben. Ich setzte mich auf den Bettrand. "Ich kann's mir zwar schon ungefaehr denken, aber vielleicht erklaerst du mir doch ganz kurz, was du in meinem Bett machst." "Ich wollte... ich wollte doch mal richtigen Sex kennen lernen", fluesterte sie kaum hoerbar und wurde knallrot. "Ich dachte, Sie wuerden vielleicht Lust haben mit mir zu schlafen, Mister Moltke." "George", sagte ich, "ich heisse George. Man Siezt sich nicht, wenn man miteinander ins Bett gehen will, ok?" Sie nickte ernsthaft. Ich holte tief Luft. "Hoer mal zu, Pat. Das war sicher eine sehr nette Idee und ich weiss es auch sehr zu schaetzen, dass du mir so vertraust, aber ..." Ein erschreckter Ausdruck trat in ihr huebsches Maedchengesicht. "Finden Sie... findest du mich nicht sexy?" Sie zog langsam die Decke herunter und entbloeste zwei huebsche steile Huegelchen mit kleinen rosa Brustknospen. Ah-oh. Hier hiess es vorsichtig sein. Sonst hatte sie einen Komplex weg fuers ganze Leben. "Natuerlich finde ich dich sexy. Du bist sicher eines der huebschesten Maedchen, die ich im meinem Leben zu Gesicht bekommen habe, aber..." Meine unbeholfenen Ausfuehrungen wurden jaeh unterbrochen. "George? Wo steckst du? Hast du unsere Hupe nicht gehoert?" Janet kam, ohne lange zu fackeln, ins Schlafzimmer und blieb abrupt in der offenen Tuere stehen. Pat tauchte blitzschnell unter die Bettdecke ab, aber es war schon zu spaet. Janet hatte alles gesehen. "George!!!" Ich fuhr auf und begann, obwohl es natuerlich sinnlos war: "Janet. Es ist nicht so, wie du denkst. Hoer mal..." "Du hinterfotziger Casanova! Verfuehrst du jetzt schon deine Studentinnen? Das haette ich nie, nie..." "Janet! Es alles ganz anders. Ich wusste gar nicht ..." Janet fuhr mir zornbebend ueber den Mund: "Ist das eine Studentin oder nicht?!" "Es ist eine", musste ich notgedrungen zugeben, "aber wir haben nicht..." "Du bist ein hinterhaeltiger Betrueger!" giftete sie mich mit blitzenden Augen an. Ich ging auf sie zu und versuchte, ihre Hand zu nehmen. Mit einem wuetenden Aufschrei wich sie sie zurueck und verpasste mir, schnell wie eine Katze, eine schallende Ohrfeige, dass mir der Kopf droehnte. "Das haette ich nie von dir gedacht, George! Mit dir bin ich fertig! Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben!" Wie eine Furie stampfte sie zur Tuere, dort verhielt sie noch einen Augenblick und schoss einen wuetenden Blick auf die arme Pat ab, die aengstlich unter ihrer/meiner Bettdecke hervorlugte, dann war sie draussen. "Janet, warte", rief ich und rannte stracks in Frank, der gerade heraufkam, um zu erfahren, wieso wir nicht kamen. "Himmel, George, pass doch auf! Was ist denn passiert? So wuetend habe ich Janet... oh!" Er hatte Pat bemerkt. "Frank! Ich habe jetzt keine Zeit fuer lange Erklaerungen. Ich muss Janet erwischen, bevor sie..." Das laute Aufheulen eines Wagens und das Quietschen von gequaelten Reifen unterbrach mich. Wir starrten uns an. "Mein Wagen!" schrie Frank. "Sie kann doch nicht einfach..." "Mist!" unterbrach ich ihn. "Du bleibst jetzt hier und passt auf Pat auf. Lass sie nicht weggehen, klar?" Ich wollte zur Tuer hinaus, aber Frank hielt mich eisern am Arm gepackt. "Moment noch! Wie konntest du nur so etwas machen, George. Du wusstest doch, dass wir kommen. Haettest du nicht einen besseren Termin fuer deine Schaeferstuendchen finden koennen? Ist dir nicht klar, dass Janet bis ueber beide Ohren in dich verknallt ist?!" Mir fiel der Unterkiefer herunter. Ich blickte hilflos zu Pat hinueber, die sich im Bett aufgesetzt hatte und verzweifelt von einem zum anderen blickte. "Ich wollte doch nicht... ich wusste doch nicht. Oh, Gott. Es tut mir so leid, Mister Moltke!" Bei den letzten Worten brach ein Traenensturm ueber das arme Maedchen herein. "Mister Moltke?" fragte Frank baff erstaunt. "Siezt du dich mit deinen Bettbekanntschaften?" Er liess mich los, ging hinueber zu Pat und begann, ihr die Schultern zu taetscheln. Dabei gab er die typischen Geraeusche von sich, mit denen Iren normalerweise hysterische Frauen beruhigen. "Nanana, nicht weinen, Maedchen. Ich werde diesem Schuft saemtliche Knochen im Leibe brechen, wenn er dir etwas angetan hat." Die Situation begann, mir ueber den Kopf zu wachsen. Ich versuchte mich zusammenzunehmen und sagte mit moeglichst beherrschter Stimme: "Frank! Ich habe jetzt keine Zeit, mit dir 'rumzustreiten oder dir zu erklaeren, wie dieses Maedchen in mein Bett gekommen ist. Alles, was ich von dir verlange, ist dass du auf sie aufpasst, waehrend ich versuche, Janet zu finden, ok? Ich habe Angst, dass sie etwas Dummes anstellt." Frank nickte gottesergeben und setzte sich neben Pat aufs Bett. "Ok. Im Zweifel fuer den Angeklagten. Zisch ab! Und Janet soll mir gefaelligst mein Auto wiederbringen!" Letzteres rief er mir noch nach, waehrend ich schon zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppe hinunterstuerzte. Ich klemmte mich hinter Nelsons Steuer und drehte den Zuendschluessel herum. Er begann zoegernd zu orgeln. Komm schon, dachte ich, du verdammte alte stoerrische Klapperkiste! Lass mich diesmal nicht im Stich! Das Orgeln erstarb mit einem asthmatischen Husten. Ich liess den Zuendschluessel los und zaehlte bis zehn. Ok, dachte ich intensiv und streichelte das Lenkrad, es war nicht so gemeint. Du bist keine verdammte alte Klapperkiste, sondern nur schon etwas in die Jahre gekommen. Wenn du jetzt brav anspringst, spendiere ich dir einen Oelwechsel. Ich verspreche es. Ich drehte wieder den Zuendschluessel. Nach der ersten muehsamen Umdrehung sprang der Motor mit einer lauten Explosion an. Ich warf die Automatik ein und fuhr saemtliche Verkehrsregeln missachtend zu Janets Haus im Sueden Berkeleys. Wie ich vermutet hatte, stand Franks Wagen rauchend vor ihrer Haustuer. Oberflaechlich betrachtet war der Wagen in Ordnung. Ich atmete auf. Wenigstens hatte sie keinen Unfall gebaut. In Janets Haus brannte
Licht; die Verandatuer war natuerlich verschlossen. Ich laeutete und klopfte gleichzeitig. Nichts ruehrte sich drinnen. "Janet!" rief ich. "Ich bin's, George. Komm, mach mir auf. Ich kann dir alles erklaeren..." Oh, Gott klang das lahm. Wie aus einer miesen soap opera. Ich biss mir auf die Lippen und begann wieder zu klopfen. Ploetzlich traf mich eine eiskalte Woge von oben und mir blieb buchstaeblich die Luft weg. Janet stand am oberen Schlafzimmerfenster, einen leeren Zwei-Gallon-Eimer in der Hand. "Wenn du noch mehr willst, brauchst du bloss dort stehen zu bleiben und weiter zu klopfen!" rief sie drohend und knallte das Fenster zu, bevor ich wieder genug Atem hatte, um etwas zu erwidern. Bei den Haeusern ringsherum begannen die ersten Lichter anzugehen. Besorgte Nachbarn spaehten aus den geoeffneten Fenstern. Und ich stand als begossener Pudel auf Janets Verandatreppe, eine gut einsehbare Buehne fuer alle Zaungaeste. Ich fuehlte, wie der Zorn in mir hochstieg. Ich konnte ja Janets Reaktionen ja bis zu einem gewissen Grade verstehen, aber diese kalte Dusche hatte ich nicht verdient! Ich schlug noch ein letztes Mal kraeftig mit der Faust gegen die Tuerfuellung, wandte mich meinem immer zahlreicher werdenden Publikum an Fenstern, Tueren und Balkonen zu und rief mit lauter Stimme: "Na schoen, Janet! Wenn du unbedingt willst, kann ich meine Erklaerung, warum du mich mit einem Maedchen im Bett erwischt hast, auch hier draussen in aller Oeffentlichkeit abgeben!" Eine erwartungsvolle Stille breitete sich in der Strasse aus. "Vielleicht ist einer der Anwesenden noch so freundlich, seine verdammte Videokamera herauszuholen!" bruellte ich, nun wirklich zornig. "Damit diese einmalige Szene fuer die Medien nicht verloren geht!" Ein paar junge Leute am Fenster gegenueber lachten und pfiffen laut. Ich hoerte, wie hinter mir die Tuer entriegelt wurde. "Also, passt alle gut auf...", begann ich wild entschlossen.