Bastard-Texte
Kapitel 14, Teil 8
- Details
- Zugriffe: 1
Die Waffe drueckte sich schmerzhaft in meinen Kehlkopf. Vor
Angst schloss ich die Augen. Im naechsten Augenblick
loeste sich der Schuss wie eine Schockwelle. Etwas Heisses
streifte meine Wange, dann spritzte es warm ueber meinen
Hals und Brust.
Jetzt bist du tot, dachte ich noch und spuerte den harten Aufprall meines Koerpers, der einen Moment lang wie schwerelos erschien, auf dem rauhen Holzfussboden. Jetzt bist du tot, dachte ich nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Beim fuenften Male dachte ich, dass da irgend etwas nicht stimmen koenne, und machte die Augen wieder auf. "Verdammt!" Das war Beckers Stimme. Ich sah, wie er sich ueber mich beugte und mich vorsichtig an der Schulter beruehrte. "Alles ok?" Nein! Es war absolut nicht alles ok. Ich war tot. Oder? Versuchsweise holte ich tief Atem. Es ging; mein Brustkorb hob sich gehorsam. Jetzt erst bemerkte ich, dass ich in ganz unnatuerlicher Stellung am Boden kauerte, alle Muskeln schmerzhaft angespannt. Becker wischte sich ueber die Stirn, murmelte leise etwas vor sich hin, atmete einmal tief durch und pfiff dann laut auf den Fingern. Wenig spaeter betrat das dunkelhaarige Maedchen aus dem blauen Chevi vorsichtig den Raum und eilte sofort hinueber zu Peters, der zusammengebrochen an der hinteren Wand kauerte. Becker half mir inzwischen auf die Beine. Meine Knie zitterten wie der beruehmte Wackelpudding. Mein Gesicht und meine Brust waren nass von Blut - aber es war nicht mein eigenes. Mit haengenden Armen stand ich da und beobachtete sinnlos wie Becker auf deutsch einige Saetze mit den Maedchen wechselte. Die beiden machten den Eindruck, als waeren sie ein gut eingespieltes Team. Becker kniete vor dem, was frueher einmal mein Kollege Archie gewesen war, und untersuchte den leblosen, blutbesudelten Koerper. Das Gesicht war kaum noch zu erkennen. Der Schuss musste von unten durch den Kiefer in den Kopf gegangen sein. Die Walther hielt er immer noch in der linken Hand. Becker schuettelte den Kopf und stand auf. Dann sah er mich an. "Wir hatten gerade erfahren, dass sich Ihre Freundin wohlbehalten in Ihrem Motelzimmer befindet", erklaerte er so beilaeufig, als ob er mir von seinen Hobbys erzaehlen wuerde. "Da gab es fuer uns keinen weiteren Grund mehr zu warten. Also sind wir hier. Ein bisschen zu spaet, wie mir scheint." "Aber... aber wieso...", stotterte ich und liess mich vorsichtig auf einer bruechigen Palette nieder, "wieso haben Sie ihn nicht mit Ihrer Waffe bedroht? Oder ihm ins Bein geschossen, oder in den Arm? Er wollte uns gerade umlegen..." Becker, der deutsche Cop, grinste und blickte kurz hinueber zu seiner Kollegin, die gerade dem armen Peters auf die Beine half. "Wir tragen beide keine Waffen", sagte er einfach, als ob das die natuerlichste Sache von der Welt waere. "Vorschrift. Im Auslandseinsatz keine Waffen." Das war zu viel fuer mich. Ich liess mich einfach nach hinten sinken und schloss die Augen.