Ich beobachtete den Kater nachdenklich vom Wohnzimmer aus.
Schade, dass er so wenig mitteilsam war. Lassie haette mir
den Boesewicht schon laengst frei Haus geliefert.
Nostradamus sprang auf die Anrichte und installierte sich
auf seinem Lieblingsplatz zwischen Kaffeemaschine und
Mikrowelle. Er zog die Pfoten so weit wie moeglich unter den
Koerper, liess die Augenlieder auf Halbmast sinken und
versank in einer seiner ausgedehnten Zen-Meditationen.

Diesmal kamen sie zu zweit. Pam war fast das gegenteilige Spiegelbild ihrer Freundin Pat. Pat war blond, Pam bruenett. Pat hatte lange Haare, Pam kurze. Pat war braun gebrannt, Pam bleich wie der Tod. Aber beide waren auf ihre Art huebsche College Girls. Sie schauten sich eine Weile verlegen an, dann uebernahm Pat wieder die Sprecherrolle: "Nein, wir haben es nicht mitgebracht. Ich .. wir dachten, es waere peinlich, wenn das jemand hier mitbekommen wuerde ..." Ich nickte beruhigend. "Macht ja auch gar nichts", sagte ich. "Und? Habt ihr Fortschritte gemacht? Ich wollte sagen", fuegte ich hastig hinzu, "habt ihr das neueste Upgrade von Wet-Bust-Nine gekauft oder ...?" Beide schuettelten den Kopf. "Ok, das ist doch schon mal ein Anfang." Ich beschloss, es auf die direkte Art zu versuchen. Keine Tricks oder
Finten; das lag mir sowieso nicht.
"Also, passt auf. Ich bin kein Therapeut und ich habe auch keinerlei Kenntnisse in der Richtung. Wie ich Pat schon das letzte Mal gesagt habe, bin ich zu einer sehr guten Freundin von mir gegangen - auch keine Therapeutin - und habe sie um Rat gefragt. Sie hat mir gesagt, dass es am einfachsten fuer euch waere, wenn ihr ein bisschen mehr unter die Leute kommen und vielleicht mal ein paar nette Jungs kennen lernen wuerdet." Die beiden rutschten auf ihren Stuehlen hin und her und wechselten unbehagliche Blicke, sagten aber nichts. "Ja... aeh... was haltet ihr davon? Kennt ihr nicht ein paar nette Kommilitonen von euch, die ab und zu was unternehmen? Geht ihr auf Parties?" Wieder keine Antwort. Beide betrachteten konzentriert die spaerliche Einrichtung meines Cubicles. Ich wartete. Ploetzlich platzte Pam heraus: "Sie wollen doch nur, dass wir mit irgendwelchen Jungs ins Bett gehen!" "Pam!" "Ist doch wahr! Genauso habe ich's mir vorgestellt. Mann, wozu bin ich bloss hergekommen! Das ist doch alles sinnlos!" Sie hatte eine ganz helle kindliche Stimme. "Pam! Wir haben das doch besprochen. Du willst doch auch davon loskommen!" Pat versuchte, Pam, die bereits aufgesprungen war, zurueck zu halten. Pam setzte sich widerwillig wieder hin und blickte mich trotzig an. "Ich habe aber keine Lust, mich mit irgendwelchen doofen Jungs verkuppeln zu lassen!" Ich seufzte innerlich. Da hatte der Chef mir was eingebrockt. Vertrauensdozent fuer Computerfragen. Das schaffst du doch mit links, hatte er gesagt. Ich fragte mich, ob der Chef wohl jemals solche Faelle in seiner Sprechstunde gehabt hatte. Ich ueberlegte, wie ich weitermachen sollte. Im Prinzip hatte Pam ja recht. Genau den Hintergedanken hatte ich natuerlich gehabt. Vielleicht sollte ich lieber weiter auf der ehrlichen Schiene bleiben. "Na, gut", sagte ich, "nehmen wir mal an, ihr wuerdet ein paar nette Jungs kennen lernen und mit ihnen oefters ausgehen. Ob ihr mit ihnen ins Bett geht, bleibt ja dann immer noch euch ueberlassen, nicht wahr? Aber meint ihr nicht, dass ihr dann vielleicht mal auf andere Gedanken kommt, und nicht mehr soviel Zeit mit Wet-Bust-Nine verbringt?" "Jungs sind doof und albern!" sagte Pam aggressiv. "Die meisten Jungs, mit denen wir studieren, sind wirklich ziemlich kindisch", erklaerte Pat in entschuldigendem Ton. "Man kann mit ihnen irgendwie gar nicht richtig reden. Sie... sie albern immer nur herum... und versuchen, einen zu kuessen und so..." "Aber so sind Jungs nun mal, wenn sie ein Maedchen huebsch und attraktiv finden", sagte ich verzweifelt. Die beiden schauten mich an wie einen Traktor. "Sie meinen, die sind nur so albern, weil sie uns... huebsch finden?" fragte Pam fassungslos. "Ich hatte immer nur den Eindruck, die wollen uns nur aergern und verlegen machen." Ich schuettelte den Kopf. "Quatsch! Wenn ein Junge in eurem Alter mit euch herumalbert, ist das das sicherste Zeichen, dass er mit euch ins Bett gehen moechte." Die beiden sahen leicht geschockt aus und verdauten erst mal diese aussergewoehnliche Information. Man konnte aber sehen, dass es begann ihnen zu gefallen. Ich beschloss, auf der Schiene weiter zu fahren. "Habt ihr denn noch nie... ich meine, wart ihr denn noch nie mit einem Jungen alleine zusammen, den ihr ganz nett fandet?" Beide schuettelten zoegernd ihre Koepfchen. "Wir waren auf einer reinen Maedchenschule", erklaerte Pat. Oh Gott, hilf mir, dachte ich. "Also, passt auf. Wenn ihr nur Angst davor habt, dass alle Jungs mit euch schlafen wollen, dann sollte das gar kein Problem sein. Im Gegenteil. Viele Maedchen waeren froh, wenn sie so huebsch waeren wie ihr beide und die Jungs hinter ihnen her waeren. Wenn ihr nicht mit einem Jungen schlafen wollt, der mit euch herum flirtet, dann sagt es ihm einfach. Da ist ueberhaupt nichts Boeses dabei, versteht ihr? Der Bursche ist dann vielleicht etwas traurig, aber das verdauen die Jungs ziemlich schnell. Und wenn ihr vielleicht doch mal Lust habt, es mit einem zu probieren, dann tut es doch einfach. Es ist doch nichts Schlimmes daran. Am besten sagt ihr ihm aber, dass es das erste Mal ist, ok?" Die beiden sassen da, vermieden es, mir in die Augen zu schauen und nickten zaghaft. "Wisst ihr eigentlich ueber Verhuetung und so weiter Bescheid? Wie ihr euch vor Aids schuetzen muesst und so?" forschte ich weiter. Die beiden wurden knallrot, nickten aber wieder brav. "Gut. Bitte vergesst das nicht, wenn's soweit kommen sollte." Ploetzlich kam mir ein Gedanke. "Und was das Wet-Bust-Nine angeht", fuhr ich fort. "Ich finde, ihr solltet damit ruhig weitermachen, solange es euch Spass macht. Aber vielleicht keine neuen Updates kaufen. Und am besten faende ich es, wenn ihr das Programm mal jemand anderem zeigen wuerdet." "Aber wieso?" wollte Pam wissen. Es war klar, dass ihr dieser Gedanke aeusserst unangenehm war. "Nur so. Ich glaube, dass das ganz gut waere ...", meinte ich vage. Insgeheim dachte ich, wenn sie das Ding mal jemandem Fremden vorfuehren, merken sie vielleicht, wie flach, schal und kuenstlich das alles ist, verglichen mit der Wirklichkeit. Die beiden verabschiedeten sich artig und trotteten hinaus. Keine fuenfzehn Sekunden spaeter erschien Minni in der Oeffnung meines Cubicles. "Wieso waren es jetzt schon zwei Haeschen?" wollte sie wissen. "Ich gebe jetzt einen Crash-Kurs fuer junge College-Studentinnen", sagte ich beilaeufig und nahm ein Manuskript vom Schreibtisch. "Einen Crash-Kurs? Was fuer einen Crash-Kurs? Und wieso nur fuer Maedchen?" "Das Thema des Kurses lautet: 'Wie wimmele ich erfolgreich unliebsame Einladungen zum Abendessen ab?' ", sagte ich boshaft.