"Kommt Ihnen das nicht merkwuerdig vor? Eine junge Frau laesst
ihren Kollegen, mit dem sie normalerweise eng zusammenarbeitet
und mit dem sie zusammen im Auto bis hierher gekommen ist,
einfach so sitzen und geht mit dem ersten besten Bekannten, den
sie auf einer Bergwanderung trifft, zum Abendessen ..."
Ich schwieg. Ehrlich gesagt, war es mir auch etwas seltsam
vorgekommen. In meiner Eitelkeit hatte ich mir wohl damit
geschmeichelt, sie wuerde meine Gesellschaft der Jean Pascales
vorziehen. Der Cop Becker jonglierte einhaendig mit seinem
Parker-Kugelschreiber und blickte mich nicht an.
"Haben Sie mit ihr geschlafen?" fragte er ploetzlich.
Ich muss gestehen, dass ich zusammenzuckte. Genau, wie wenn ich wirklich die Nacht mit Francoise verbracht haette. "Ich glaube nicht, dass Sie das etwas angeht", erwiderte ich so frostig wie moeglich. Der Cop zuckte mit den Achseln. "Sie muessen darauf nicht antworten, mit dem offiziellen Protokoll sind wir fertig." Er machte eine Kunstpause, schnappte sich den Parker, mit dem er die ganze Zeit einhaendig herumjongliert hatte, mit festem Griff, beugte sich nach vorne und zielte mit dem silbernen Schreibgeraet auf mich. "Aber es waere ein gutes Alibi fuer die Nacht, fuer Sie beide ..." "Ich habe das Zimmer von Mademoiselle Leduc nicht einmal betreten. Genuegt Ihnen das?" sagte ich schroff. Der Cop laechelte duenn und nickte. "Was ist mit dem Dritten?" "Sie meinen den Finnen?" Er nickte ungeduldig. "Ich kann mir seinen Namen nicht merken. Koennen Sie sich Namen merken? Ich nicht. Ah, hier: Kasurinnen. Kennen Sie ihn?" Ich schuettelte muede den Kopf. "Ich bin ihm heute das erste Mal begegnet. Ich kenne seinen Namen nicht mal aus der Literatur." Er schlug sofort in die Bresche. "Kennen Sie die Literatur gut? Wuerden Sie also sagen, dass Sie sonst alle Namen dieser Konferenz schon mal gehoert haben? Ist Kasurinnen vielleicht gar kein Wissenschaftler, der in Ihrem Gebiet arbeitet?" Ich war es leid. Dieser Cop ging mir auf die Nerven mit seinen bloedsinnigen Fragen und Andeutungen. "Ich kenne seinen Namen nicht, aber das will nichts heissen", sagte ich stur, ohne ihn anzuschauen. Der Cop sah wohl ein, dass er mit mir auf diese Tour nicht weiter kommen wuerde. Jedenfalls nicht mehr heute abend. Er lehnte sich zurueck und begann wieder sein Spiel mit dem Parker. "Na schoen. Wenigstens stimmen Ihre Aussagen ueberein. Nun ja, wir haben also drei Teilnehmer dieser Konferenz ... " er kramte laessig in den Papieren auf dem Tisch" ... ueber 'Speaker Recognition and Verification', die unabhaengig voneinander durch drei reine Gluecksfaelle einem Anschlag auf ihr Leben entgangen sind, waehrend alle anderen Teilnehmer, wie man es von ihnen erwartet, brav in der ersten Sitzung erscheinen und alle gemacht werden. Ich sage es Ihnen ganz offen: alle drei Gluecksfaelle gefallen mir nicht die Bohne." Er blickte mich scharf an. "Ihre Spekulationen und Andeutungen passen mir auch nicht die Bohne! Vielleicht sollte ich mich schleunigst an das naechste Konsulat wenden!" "Tun Sie das ruhig", nickte er liebenswuerdig. "Wenn Sie die Nummer nicht parat haben, kann Ihnen meine Kollegin, Madeleine Kortner, bestimmt behilflich sein. Wir sehen uns dann morgen wieder, Mister Moltke." Er reichte mir das Protokoll zur Unterschrift. "Ich muss Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie Garmisch in den naechsten Tagen nicht verlassen duerfen, ohne uns vorher Bescheid zu geben. Sie sind ein wichtiger Zeuge fuer uns. Wir werden in diesen Raeumen ein staendig besetztes Buero unterhalten, so dass es Ihnen keine Schwierigkeiten bereiten sollte, uns im Falle eines Falles zu erreichen. Falls ich nicht da sein sollte, fragen Sie nach Madeleine Kortner." Er sagte nicht, was er mit den 'Falle eines Falles' genau meinte. "Es steht Ihnen jederzeit frei, sich mit einem Vertreter Ihres Konsulats in Verbindung zu setzen", leierte er herunter. "Aber es ist - zumindest im Moment - nicht unbedingt notwendig." Er stand auf und oeffnete mir die Tuere. Wie bei der ersten Begegnung gaben wir uns nicht die Hand. Francoise sass einsam an der Bar im Keller des Hotels, vor sich einen unberuehrten Manhatten. Man sah deutlich, dass sie geweint hatte. Der unbeschaeftigte Barkeeper stand diskret einige Schritte weiter links und polierte Glaeser. Ab und zu warf er einen Blick herueber, der deutlich machte, dass er erstens genau wusste, einen der Ueberlebenden der heutigen Katastrophe als Kunden zu haben, zweitens die Trauer der Lady respektierte, andererseits drittens sofort bereit sei, ihr Trost zuzusprechen, wenn sie ihn ansprechen wuerde. Ein vorbildlicher Barkeeper also. Ich setzte mich neben Francoise, fing den Blick des Barkeepers auf und winkte mit den Augen zu dem Manhatten vor Francoise. Der Barkeeper nickte bestaetigend und begann zu mixen. Wir beobachteten ihn schweigend, bis der Drink vor mir auf dem Tisch stand. "Auf die Toten", sagte ich und hob mein Glas. Francoise schniefte laut, reckte den energisch den Kopf und stiess mit mir an. "Und auf die Ueberlebenden." Ihre Stimme war gebrochen und heiser. Das Eis in ihrem Glas war geschmolzen. Wir redeten schliesslich. Was haetten wir auch anderes tun sollen? Wir redeten, und der Barkeeper stand zwei Schritte seitlich von uns, polierte Glaeser und tat so, als ob er seinen beiden einzigen Kunden nicht zuhoeren wuerde. Wir redeten und redeten, bis uns der Keeper hoeflich darauf aufmerksam machte, dass die Bar geschlossen werde. Ich kaufte ihm eine Southern Comfort ab und wir verzogen uns auf Francoise Zimmer. Wir quatschten noch eine oder zwei Stunden und tranken direkt aus der Flasche. Mit sinkendem Pegel verlor ich nach und nach mein Zeitgefuehl. Irgendwann schwiegen wir nur noch und starrten ins Leere. Sehr viel spaeter - oder war es gleich danach? - stand ich auf. Ohne irgendeine Absicht. Vielleicht wollte ich das Fenster oeffnen oder irgend etwas anderes machen, um diesen Bann zu brechen, ich weiss es nicht. Francoise jedenfalls sprang hastig auf und zog sich mit einer einzigen Bewegung ihre Bluse und Was-sonst-noch-darunter-war ueber den Kopf. Ich nahm ihre kleinen runden Brueste mit den dunklen harten Nippeln in die Haende und sie begann lautlos zu weinen. Wir zogen uns aus und liebten uns gleich auf dem Teppich, schnell und heftig. Danach muessen wir irgendwie noch ins Bett gekommen sein, denn ich erwachte, den Kopf in Francoise Schoss gebettet, und halb erstickt unter ihrer Bettdecke. Ich kaempfte mich vorsichtig frei und sah auf dem Nachttischwecker, dass es bereits auf Mittag zuging. Mein Schaedel war mit Bleikugeln gefuellt, die bei jeder Bewegung schmerzhaft zu rollen begannen. Der Southern Comfort. Damit fiel mir alles wieder ein. Francoise hatte die Augen noch geschlossen und atmete gleichmaessig. Ich verzog mich leise ins Badezimmer. Als ich zurueckkam, war sie wach. Wir wuenschten uns verlegen einen guten Morgen, so als ob wir uns beim Fruehstueck begegnet waeren, und unsere Blicke wichen einander aus. Wir verabredeten uns zum Lunch in einer halben Stunde und ich schlich wie ein armer Suender auf mein Zimmer. Zwei Aspirin und eine eiskalte Dusche spaeter traf ich Francoise im Restaurant. Sie laechelte schon wieder, und auch unsere Blicke wichen nicht mehr einander aus. Nachdem wir unsere Bestellungen aufgegeben hatten, sagte sie nur: "Schorsch?" "Ja?" "Es war okay so. Es 'at uns getroestet. Wir brauchen deshalb nischt verlegen zu sein, okay?" "Okay." "Aber es muss nischt wieder sein, gut? Einmal getroestet werden reicht, gut? Ich nickte und wir laechelten beide in unseren Aperitif. Nach einer Weile meinte sie schelmisch: "Glaub ja nischt, dass isch zu betrunken war, um etwas mitzukriegen. Es war sehr schoen." "Ich fand es auch sehr schoen", sagte ich lahm. Verdammt, warum konnte ich nicht ein wenig schlagfertiger sein. Francoise laechelte wieder und streichelte mir die linke Hand. "Weisst du, dass isch die ganze Zeit gedacht hatte, irgend etwas ist anders bei dir. Aber erst nachher, als du misch gestreischelt hast, habe isch gemerkt, dass du Linkshaender bist." Sie lachte. "Komisch, wenn ein Mann alles von der anderen Seite macht." Ich versteckte instinktiv meine linke Hand unter der Tischdecke und sie lachte noch mehr. Abrupt hoerte sie auf und sah sich scheu um. Dann beugte sie sich vor und fluesterte: "Geht es dir auch so? Manchmal vergesse isch, was gestern passiert ist. Aber dann ploetzlich ..." Sie starrte ins Leere. "Sechsundvierzig", sagte sie tonlos. "Pardon?" "Sechsundvierzig", wiederholte sie und blickte mich gequaelt an. "Ich habe vorhin die Teilnehmerliste nachgeschaut. Es waren neunundvierzig Teilnehmer angemeldet. Und nur wir drei haben ueberlebt." "Vielleicht sind nicht alle gekommen", meinte ich hilflos. Francoise verdrehte die Augen nach oben und kaempfte, versuchte die Traenen zurueckzuhalten. Gruenstein, Peekock, Waltersberg, Zazis, Vlachos, Meyer, Watson, und natuerlich Hohlbein, Peters, Hesterfield, ... Auch ich hatte vorhin in meinem Zimmer die Liste hervorgeholt. Ich stocherte in meinem Salat mit dem langweiligen italienischen Dressing herum. "Was werden sie jetzt mit uns machen?" Ich seufzte. Das Thema hatten wir gestern wieder und wieder aufgegriffen. "Isch mag ihn." Erstaunt sah ich sie an. "Wen?" "Den Polizisten, Backer oder Becker, heisst er, glaube isch." "Er hat uns durch die Blume gesagt, dass er es verdaechtig findet, dass wir ueberlebt haben", sagte ich heftig. Francoise nickte und zuckte mit den Schultern. "Ja, isch weiss. Vielleischt muss er das glauben. Aber er hat ein ehrlisches Gesischt. Ich glaube nischt, dass er so gemein sein kann, wie du gestern erzaehlt hast ..." Traue niemals einem Cop. Den Satz hatte ich gestern mindestens zwanzigmal gesagt. Wir beendet schweigend unseren Lunch. "Wenn man vom Teufel spricht ...", knurrte ich leise, denn ich sah den Cop Becker durch das Foyer kommen. "Was?" Ich winkte ab, denn der Cop hatte uns gesehen und kam schon auf unseren Tisch zu. Ohne zu zoegern sprach er uns an: "Guten Morgen, Mademoiselle Leduc, Mister Moltke. Darf ich?" Er griff sich den dritten Stuhl und setzte sich verkehrt herum darauf. Seine Arme stuetze er auf die Lehne. Wir schauten ihn erwartungsvoll an. "Ich frage jetzt nicht, ob sie gut geschlafen haben. Das waere geschmacklos", meinte er sarkastisch. Er sah ernst und muede aus. Im Tageslicht sah man, deutlicher als gestern im kuenstlichen Licht bei der Protokoll-Aufnahme, dass er ziemlich erschoepft war. Ich winkte den Kellner und bestellte Kaffee fuer uns drei. Der Cop Becker protestierte nicht. Er schwieg, bis der ausgezeichnete deutsche Kaffee vor ihm stand und er ihn mit drei Loeffeln Zucker und einer halben Tasse Milch verhunzt hatte. "Also", begann er nuechtern aufzuzaehlen, "die Angehoerigen sind verstaendigt. Die Ueberfuehrung der Leichen organisiert. Die ersten Obduktionsberichte liegen vor. Alle moeglichen Zeugen sind befragt worden. Das ganze Gebaeude wurde durchkaemmt. Die Fahndung nach zwei Verdaechtigen, die in der Naehe des Hotels gesehen worden sind, ist raus. Bei allen moeglichen Zeitungen, Konsulaten und Botschaften wurde angefragt, ob Bekennerschreiben oder irgendwelche Anrufe eingegangen seien." Er leerte mit einem riesigen Schluck die halbe Tasse und schwenkte den Kaffee durch beide Backen. Ich hasste es, wenn jemand das tat! Sofort schmerzten mir die Backenzaehne auf der linken Seite. "Und das Ergebnis aller Bemuehungen ist - gleich Null!" Er stellte die Tasse zurueck und blickte uns nacheinander an. "Und? Ist Ihnen vielleicht noch etwas eingefallen, was uns weiterhelfen koennte?" "Wenn es tatsaechlich kein Unfall war ...", begann ich langsam. Der Cop wedelte ungeduldig mit der Hand. "Das ist so ziemlich das Einzige, was wir sicher wissen." "... dann muss es sich entweder um einen Verrueckten handeln ..." "Ein Verrueckter mit ziemlich geschickten Haenden, kann ich da nur sagen!" "... oder um jemanden, der den Tod vieler ihm unbekannter Menschen in Kauf nimmt, um sein Ziel zu erreichen. Weil, ich kann mir niemanden vorstellen, der wenigstens alle diese Leute auch nur gekannt hat." Der Cop Becker guckte. "Und welches Ziel?" "Einen von uns umzubringen?" schlug ich vor. Der Cop stoehnte. "Das bedeutet, wir muessen jeden einzeln ueberpruefen, ob ihm moeglicherweise jemand nach dem Leben trachtet." Francoise und ich nickten. Soweit waren wir gestern auch schon gewesen. "Sie wissen ja gar nicht, was das bedeutet!" rief der Cop Becker und hob beide Haende. "Diese Leute kommen aus sieben verschiedenen Staaten." Er schuettelte den Kopf und griff wieder nach seiner Tasse. "Man koennte meinen: das perfekte Verbrechen. Man bringt einfach gleichzeitig eine maximale Anzahl von Leuten aus so vielen Staaten wie moeglich um und hofft dann, dass man in der Komplexitaet und Masse der Ermittlungen untertauchen kann." "Vielleischt ist es tatsaeschlich so?" sagte Francoise leise. Der Cop Becker schuettelte wieder den Kopf. "Etwas anderes: ich habe ihre Aussagen ueberpruefen lassen. Es spricht nichts dafuer, sie hier weiter festzuhalten, weil sie alle drei keine direkten Zeugen sind. Sie koennen also jederzeit in ihre Heimat zurueckkehren. Falls es zu einer Anklage kommen sollte, kann es allerdings sein, dass sie erneut zu einer Zeugenaussage nach Deutschland geladen werden. Im Vertrauen gesagt: halte ich dies fuer ziemlich unwahrscheinlich." Er stand auf und drehte den Stuhl wieder um. "Entschuldigen Sie", sagte Francoise vorwurfsvoll. Er blieb vor ihr stehen und schaute sie fragend an. "Gibt es denn gar nichts weiter? 'at man nicht mal feststellen koennen, woran sie gestorben sind? Woher das Gift kam?" Der Cop setzte sich langsam wieder, diesmal richtig herum, und strich mit der Hand durch sein kurzes braunes Haar. "Der Pathologe sagt, sie seien wahrscheinlich an einer ploetzlichen Laehmung des Herzmuskels gestorben. Wir wissen bis jetzt noch nicht, welches Gift dies bewirkt hat, weil die Laborergebnisse noch nicht vorliegen. Aber es muss sehr schnell gegangen sein. Das Gas wurde von einem kleinem Apparat unter dem Rednerpult freigesetzt. Wir gehen davon aus, dass es geruchslos sein muss, denn offensichtlich hat niemand etwas bemerkt. Der Apparat oder die Bombe, wenn Sie so wollen, war hoechstwahrscheinlich zeitgesteuert. Aber das koennen wir nicht mehr zweifelsfrei feststellen,weil der ganze Mechanismus thermisch zerstoert wurde." "Wie bitte?" "Er ist verbrannt", erlaeuterte ich. Der Cop Becker nickte. "Es ist kaum etwas davon uebrig geblieben. Nur verschmorte Plastikteile. Das wird alles noch im Labor untersucht." "Es klingt vielleischt dumm, aber kann es sein, dass der ... Moerder selbst ums Leben gekommen ist?" Der Cop starrte Francoise an. "Sie meinen, wie die Bombenattentaeter im Nahen Osten, wie ein Kamikaze?" Francoise nickte. "Vielleicht..." Der Cop klang nicht sehr ueberzeugt. Er stand wieder auf und verabschiedete sich endgueltig. "Wir haben ihre Adressen in den Unterlagen des Organisators gefunden. Bitte melden Sie sich, bevor Sie abreisen, in unserem Ermittlungsbuero." Er ging ohne sich umzudrehen hinaus. "Was wirst du jetzt machen?" fragte ich nach ein paar Minuten. Francoise zuckte mit den Schultern. "Isch denke, isch werde misch erstmal ans Telefon 'aengen", seufzte sie und begann, in ihrer Handtasche zu kramen. "Und du?" Ich antwortete nicht. Sie liess ihre Haende sinken und blickte mich an. "Du willst nach 'ause", stellte sie fest. Ich nickte truebsinnig. "So schnell wie moeglisch." Auch Francoise nickte nun. "Aeh ... glaubst du, dass du ... ich meine ..." Francoise laechelte traurig. "Mach dir keine Sorgen um misch. Isch 'abe jemanden, zu dem ich 'eimkomme." Ich muss wohl ziemlich ueberrascht geblickt haben, denn sie fuhr erklaerend fort: "Er 'eisst Marc und wir sind schon lange zusammen. Wir wollten immer schon 'eiraten, aber wir 'aben es immer wieder verschoben. Isch glaube, dass isch es jetzt nischt mehr lange 'inausschieben will." Ich blickte truebsinnig aus dem Fenster in das strahlende Bilderbuchwetter. Wenn es wenigstens geregnet haette. Aber nein, es musste wieder dieser verdammte blaue Himmel hereinknallen, wie er von allen Postkartenstaendern leuchtete. Die Sonne knallte herab, die Berge knallten zu allen Fenstern herein. Francoise legte ihre Hand auf meinen Arm. "Du 'ast niemanden, der auf disch wartet?" Ich schuettelte den Kopf. "Das glaube isch nischt! Jeder 'at jemanden. Was ist mit deiner Familie? Werden sie sisch nischt freuen, dass du gesund nach 'ause kommst?" Das letzte, was ich jetzt brauchte, war eine Diskussion ueber meine beschissene Familie in LA. Also lenkte ich scheinbar ein. "Janet freut sich vielleicht." "Na also!" "Dann hat sie wieder jemanden, der mit ihr joggen geht." Francoise schuettelte verzweifelt den Kopf und stand auf. "Wir sehen uns", sagte sie und gab mir zwei Kuesschen auf die Wange. Wir sahen uns nie mehr wieder.