Nur zwölf Leute, die meisten bergmäßig ausgerüstet, stiegen mit ein. Kein Wunder, bei dem bedeckten Himmel. Aber der freundliche Kartenverkäufer mit dem herrlichen Akzent hatte mir strahlend versichert, daß oben, über den Wolken, herrlichstes Wetter sein würde. "Wondaful weaser", wiederholte er mehrmals mit treuherzigem Blick.
Vielleicht erzählte er das aber auch jedem Touristen, damit er sich eine Karte kaufte.
Es war noch früh am Tage, viertel nach acht. Dies war erst die zweite Fahrt. Die erste hatte ich ausgelassen, vielleicht, weil ich erst sicher sein wollte, daß das Ding auch funktioniert. Der große Aluminiumkäfig schwankte leicht mit jedem zusteigenden Passagier. Ich musterte verstohlen die anderen Fahrgäste. Bis jetzt noch kein bekanntes Gesicht. Ich wußte nicht, ob ich mich dessen freuen oder es bedauern sollte. Einerseits war ich froh, vor dem Beginn der Sessions noch etwas Ruhe zu haben, andererseits fühlte ich mich einsam und etwas verloren in diesem Land, dessen Sprache ich nur rudimentär verstand.
Noch zwei Gäste bestiegen die Gondel. Jetzt kam der Fahrer, ein rotbackiger, zünftig gekleideter Bursche mit kurzen O-Beinen. Ohne lange zu fackeln ließ er die Schiebetüren zufahren und drückte auf Knöpfe an seiner kleinen Konsole. Ganz langsam, wie ein Schiff, das ablegt, setzte sich die Gondel in Bewegung. Dann wurde die Fahrt schneller und schneller. Schon knisterte es in meinen Ohren und ich gähnte angestrengt für den Druckausgleich.
Die anderen Fahrgäste unterhielten sich halblaut, deuteten hierhin und dorthin. Keiner sprach Englisch. Ich konnte kurz noch das Kongreßzentrum in der Ferne erkennen, dann tauchte die Gondel abrupt in die Hochnebelschicht ein und man sah gar nichts mehr. Eine Gruppe von vier älteren Leuten lachte laut auf. Es hatte wohl einer einen Witz gemacht. Der Fahrer betrachtete die Gruppe mißbilligend. Schade, daß ich nichts verstehen konnte. Es hieß doch immer, die Deutschen verstünden keinen Spaß. Kann wohl doch nicht ganz so stimmen. Die Gondel verlangsamte die Fahrt und aus dem milchig-weißen Nichts tauchte ein riesiger Stützpfeiler auf. Unser Gefährt überwand die Stütze, wie ein Boot sich von einer riesigen Woge emportragen läßt, und beschleunigte wieder ins nebelgraue Nichts hinein.
Plötzlich wurde es heller und die Fahrgäste drängten sich zu den verkratzten Plexiglasfenstern. Mit einem kollektiven 'Ahhh' schoß die Aluminiumschachtel aus der strahlendweißen Wolkendecke in die helle Sonne hinaus. Dunkelblau wölbte sich der Himmel über uns und der schräg aufragenden Alpspitze. Das Herz klopfte mir vor Freude. Es war so lange her, daß ich einen richtigen Berg aus der Nähe gesehen hatte. Wie lange eigentlich? Mindestens vier Jahre. Banff, Lake Louise, Jasper. Aber die Alpen waren eben etwas ganz Besonderes. Bilderbuchberge, ekstatische Anblicke.
Die Bergstation kam in Sicht. Dahinter, an der schrägen Steilwand konnte man den Klettersteig zum Gipfel erkennen. Kaum noch Schnee in den Rinnen, soweit ich das von hier aus beurteilen konnte.
Beim Aussteigen warf ich einen Blick auf die große Uhr der Station: acht Uhr fünfundzwanzig. Ich hatte den ganzen Tag für mich. Nach meiner Armbanduhr war es noch halb zwölf Uhr nachts. Ich spürte den kommenden Jetlag bereits.
Meine wenigen Mitfahrer verstreuten sich rasch in verschiedene Richtungen. Nach einem kurzen Studium der Karte, die ich mir vorsorglich besorgt hatte, fand ich den Pfad zum Klettersteig, vorbei an einem Schild mit der Aufschrift 'Höllentor'. Eigentlich gar kein richtiger Klettersteig mehr, dachte ich, als ich nach einer Viertelstunde den Einstieg erreicht hatte, und betrachtete die endlose, auf den fast senkrechten Fels genietete Reihe von Stahlleitern. Ein paar Kletterer waren schon ein gutes Stück hinaufgeklommen, scheinbar auch Einzelgänger, wie ich.
Ich schnürte meine Stiefel fester, zurrte die Träger des kleinen Rucksacks enger und legte den Bauchgurt an. Das kleine Geschirr mit den zwei Karabinern hatte ich schon vorher angelegt und geprüft. Ich setzte den Fuß auf die erste Sprosse und begann langsam und gleichmäßig zu steigen.
Nach achzig Stufen hielt ich an um zu verschnaufen und bewunderte das Panorama. Die Nebelschicht verdeckte noch das flache Land im Norden, aber sie begann sich aufzulösen. Angeblich konnte man bei guter Fernsicht mühelos das vierzig Meilen entfernte München erkennen. Einzelne Wolken standen scheinbar bewegungslos wie riesige Ballen Zuckerwatte am tiefblauen Himmel. Ich guckte zwischen meinen Beinen nach unten. Nicht ganz senkrecht, aber zum Abstürzen reichte es vollkommen. Bis jetzt kam mir niemand nachgestiegen, ich konnte mir also Zeit lassen. Ich legte den Kopf in den Nacken und spähte nach oben. Die Felswand krümmte sich ganz leicht zum Flacheren, so daß ich den Klettersteig nicht so weit verfolgen konnte. Nicht weit über mir, etwa vierzig Yard, stieg jemand langsam, der Figur nach eine Frau oder ein Mädchen.
Ich begann wieder zu steigen und wechselte regelmäßig die Karabiner. Als ich nach einer Viertelstunde wieder nach oben blickte, war ich nur noch wenige Höhenmeter von meiner Vorderfrau entfernt. Wohl doch eher ein Mädchen. Ich betrachtete anerkennend ihre kräftigen, tiefgebräunten Beine in den orangenen Kletterstiefeln. Da ich es selber haßte, wenn mich jemand im Klettersteig von hinten bedrängte, blieb ich stehen, um ihr etwas Abstand zu geben. Sie hatte mich wohl gehört oder gesehen, denn auch sie blieb auf einer Sprosse stehen, blickte zu mir herunter und strich sich mit der freien Hand das lange dunkle Haar aus dem Gesicht. Ein bekanntes Gesicht. Eine Kollegin, aus Frankreich, getroffen in Lake Placid beim Workshop vor vier Jahren, arbeitet mit Jean Pascale vom CNRS Lion zusammen, spricht für jemanden aus Frankreich ausgezeichnet Englisch, hat in Bereich Sprecherverifikation ein paar sehr hübsche Paper verfaßt, haben ein paar sehr nette Abende zusammen verbracht. All das schoß mir in Sekundenbruchteilen durch den Kopf, aber an ihren Namen konnte ich mich nicht erinnern. So geht es mir immer. Ich kann mich an alles erinnern, aber nicht an Namen und Telephonnummern. Manchmal kann das ziemlich peinlich sein. Einmal wußte ich schon nach zwei Wochen Urlaub den Nachnamen unserer Departmentssekretärin Minni nicht mehr.
Ich winkte mit der freien Hand hinauf. Sie schaute unsicher herunter. Jetzt hatte sie mich auch erkannt. Sie lächelte und rief etwas, was ich nicht verstand. Ich bedeutete ihr mit Handzeichen, daß wir uns oben treffen würden. Sie nickte mehrmals heftig mit ihrem Kopf und begann wieder zu steigen.
Schon bald endeten die Leitern und sie wartete dort auf mich.
"'allo, Schorsch. Es ist wundervoll, dich wiederzuse'en", überfiel sie mich sofort mit ihrem entzückenden Akzent und gab mir einen zarten Kuß auf jede Backe. An diese Sitte könnte ich mich auch gewöhnen. Jedenfalls, wenn es sich um so appetitliche junge Damen, wie ... ja, wenn mir nur der Name einfiele. Verdammt peinlich. Sie schaute mich bekümmert an und fuhr fort: "Aber, es tut mir sehr leid, aber isch weiß nur noch deinen Vornamen, Schorsch" Sie sprach meine Vornamen, George, mit ganz weich einsetzendem 'Sch' und sehr langen 'o' aus. Erleichtert gestand ich ihr, daß es mir genauso, wenn nicht schlimmer ginge. Ich könne mich nicht mal mehr an ihren Vornamen erinnern. Wir lachten beide.
"Mais, Francoise, natürlisch", strahlte sie.
"Francoise Leduc aus Lion", sagte ich in einer plötzlichen Eingebung, und sie nickte fröhlich.
"Ist Jean auch mit in Garmisch?" fragte ich.
"Ah, oui. Aber er wollte nischt mitge'en. Er mag nichts, was in die Natur führt", erwiderte Francoise und lachte.
Das konnte man von ihr bestimmt nicht behaupten. Francoise gehörte zu dem Typ von Mädchen, die zart und zerbrechlich aussehen, aber kerniger sind, als man vermuten mochte. Etwa fünfeinhalb Fuß hoch, schlanke braungebrannte Glieder, einen kleinen Kopf mit großen braunen, klugen Augen und einem riesigen, lachenden Mund, lange braune Haare, die sie zu einem Pferdeschwanz im Nacken zusammengerafft hatte, aus dem aber immer wieder lange Strähnen entkamen und ihr ins Gesicht wehten. Nicht zu vergessen ein knackiger Hintern und ebensolche, kindliche Brüste, die durch ihr T-Shirt stachen.
"Isch bin glücklisch, daß isch disch getroffen 'abe. Es war mir alleine ein bißchen unheimlisch."
Wir stiegen schweigend die letzten, ziemlich anstrengenden 150 Höhenmeter zum Gipfel hinauf. Als erfahrene Bergsteiger sparten wir unseren Atem lieber für später auf. Am Gipfel standen schon fünf andere Bergbegeisterte und rüsteten sich für den Abstieg. Ein paar Minuten später waren wir beide auf dem atemberaubenden Fleck ganz allein. Francoise holte sich ein sauberes Sweat Shirt aus ihrem Rucksack und stellte sich hinter mich.
"Schorsch, du bist jetzt ein Kavalier und schaust dir genau die Zugspitze an", sagte sie kategorisch und drehte meinen Kopf nach vorne.
Ich hörte, wie sie sich hinter mir auszog.
"Und wenn nicht?"
"Was?" "Was, wenn ich kein Kavalier bin und mir statt der Zugspitze lieber eine andere Hügellandschaft angucke?"
"Dann darfst du misch 'eute abend nischt zum Essen ausführen."
So einfach war das. Was machten dagegen die Girls in der Bay Area immer für ein Theater, bis man sie mal zu einem Date überreden durfte!
"Und was macht Jean heute abend?"
"Wieso?"
"Ich meine ... äh ... kommt er auch mit zum Essen, oder ..."
Francoise beguckte mich spöttisch.
"Du meinst, ob isch mit ihm ... ob er mein Lieb'aber ist?"
Ich nickte verlegen und spürte, wie mir das Blut ins Gesicht stieg.
"Mais, non", lachte sie.
Wir suchten uns zwischen den Schneeflecken einen einigermaßen trockenen Felsen und rasteten. Die meiste Zeit allerdings schauten und schauten wir. Man kann sich nicht sattsehen an dieser fantastischen Landschaft. Nordwärts öffnet sich das breite Tal, in dem Garmisch liegt, zum grünen Alpenvorland. Ganz in der Ferne ahnt man die Großstadt München; links und rechts sind niedrigere Berge aufgereiht. Ein dunkelblauer See zwischen diesen ist teilweise sichtbar. Nach Osten hin zieht sich die Wettersteinkette, größtenteils noch schneebedeckt. Auch dort sieht man am Fuße der Steilwand zwei kleine Seen leuchten. Dahinter ragt die nächste Kette, das Karwendel, auf wie eine unbezwingbare Mauer aus hellgrauem Fels, Eis und Schnee.
Südwestlich überragte uns die Zugspitze mit ihrer mächtigen Nordwand, die steil zum Höllentalgletscher abfällt. Sieht man an ihr vorbei nach Westen, verliert sich der Blick über unzählige unbekannte Gipfel in der Ferne. Der Schnee strahlte so hell, daß ich geblendet die Augen zusammenkneifen mußte.
"Es ist sehr, sehr, sehr wunderschön 'ier, nicht?" stellte Francoise mit andächtiger Stimme fest.
Ich nickte stumm. "Aber das dort schaut gar nischt gut aus", fuhr sie mit veränderter Stimme fort und deutete nach Südosten.
Tatsächlich. Über die Wettersteinkette quollen dunkle Wolken direkt auf uns zu.
"Du hast recht", erwiderte ich nach ein paar Minuten.
"Das schaut gar nicht gut aus. Wir sollten langsam an den Rückweg denken."
Ich deutete auf den Klettersteig.
"Du willst da wieder 'inunter? Rückwärts die Leitern 'inab? Und wenn ein Gewitter kommt?"
Francoise hatte recht. Bei einem richtigen Gewitter war es Selbstmord, die Stahlleitern in der ausgesetzten Wand hinunterzuklettern.
"Isch wollte sowieso nischt mehr zur Bahn zurück", fuhr Francoise fort. "Es gibt einen schönen Weg 'inunter ins 'öllental."
Sie zeigte ihn mir auf der Karte. Der Weg führte zunächst auf einem Grad entlang Richtung Süden und bog dann auf einen Klettersteig ins 'öllental ab.
"Na schön. Dann verfällt eben meine Rückfahrkarte", meinte ich zustimmend. "Aber wir sollten uns beeilen, damit wir vom Grad weg sind bevor das Wetter hier ist."
Wir packten hastig zusammen und stiegen rasch über den leicht abfallenden Grat ab. Ich lauschte die ganze Zeit auf Donner, hörte aber zum Glück keinen.
Kurz vor der Abzweigung zum Klettersteig ins Mathaisenkar fielen die ersten dicken Tropfen. Wir berieten kurz, ob wir das Wetter abwarten sollten, aber es sah nicht nur nach einem kurzen Schauer aus. Also zogen wir unsere Anoracks über und stiegen vorsichtig in die Wand ein.
Ohne Geschirr und Karabinersicherung wäre ich unter diesen Umständen nicht abgestiegen. Der Steig war zwar hervorragend gesichert, aber durch den Regen waren die in den Fels geschlagenen Krampen, Nägel und Sprossen teuflisch rutschig. Am schlimmsten war eine Stelle zu traversieren, an der es senkrecht hinunterging - wie weit, konnten wir im dichten Regen nicht erkennen - und man von Nagel zu Nagel balancieren mußte. Dabei ging es plötzlich um eine scharfe Felsnase nach links und gleichzeitig ein paar Meter hinunter. An dieser Stelle brauchten wir fast fünf Minuten, weil wir den nächsten Tritt hinter der Felsnase nicht sehen konnten und uns langsam mit einem Fuß im Blinden stochernd vorantasten mußten. Wir waren nach meiner Schätzung schon eine Stunde abgestiegen, als uns der erste Donner aufschreckte. Den Blitz hatten wir gar nicht bemerkt, aber der Donner hallte dröhnend durch den weiten Talkessel. Francoise warf mir nur einen Blick zu und stieg rasch weiter. Hoffentlich kein Blitzschlag in die Sicherungsseile, hieß dieser Blick. Ich versuchte abzuschätzen, wie weit wir noch bis zum Talboden zu klettern hatten, aber der Regen verhinderte jede Sicht. Nur die riesige, weiße Fläche des Höllental-Ferners leuchtete noch schwach durch das graue Dämmerlicht herüber.
Plötzlich tauchte aus dem Regen eine schräge Schutthalde auf und der Klettersteig endete abrupt. Wir liefen und rutschten die Geröllhalde hinunter, völlig durchnäßt, aber glücklich, daß wir der unmittelbaren Gefahr eines Blitzschlags entronnen waren. Jetzt konnte man auch wieder besser sehen. Wir fanden mühelos den Pfad zur Höllentalangerhütte und marschierten los, in der Hoffnung bald ins Trockene zu kommen. Kurz vor der Hütte überholten wir einen einzelnen Wanderer mit einem breiten Regenschirm. Als er uns kommen hörte, drehte er sich um, und ich erkannte einen weiteren Kollegen, Johann Grünstein aus Innsbruck, mit dem ich mich schon auf mehreren Kongressen unterhalten, aber noch nie offiziell zu tun gehabt hatte. Er erkannte uns natürlich nicht sogleich, durchnäßt wie wir waren, freute sich dann aber sehr über das unverhoffte Zusammentreffen und bot sofort galant Francoise seinen Schirm an. "Mein Gott. George Moltke. Ich habe zwar fest damit gerechnet, daß Sie in Garmisch dabei sind, aber daß ich Sie ausgerechnet hier und bei diesem Wetter antreffe ... und noch dazu in so reizender Begleitung."
Er machte eine kleine Verbeugung in Richtung Francoise und ich stellte die beiden einander vor.
"Küß die Hand, Mademoiselle. Küß die Hand."
Grünstein beugte sich tatsächlich über Francoise Hand, wobei ihm der Regen von seinem Schirm in den Nacken rieselte.
Francoise lächelte und meinte: "Isch glaube, Sie verwenden Ihren Schirm besser für sisch. Isch bin schon so durchgefeuchtet, daß er mir nischt mehr viel nützten wird."
Grünstein war damit nur zu gerne einverstanden. Seine Kleidung war nicht gerade für rauhes Bergwetter geeignet. "Aber, wo kommen Sie denn nur her? Ich habe Sie beide beim Heraufkommen gar nicht gesehen...", fragte er, als wir weiter in Richtung Hütte gingen, und umsteuerte mit seinen eleganten schwarzen Strassenschuhen vorsichtig die zahlreichen Pfützen.
Ich erklärte ihm, wo wir herkamen, und Grünstein erging sich in Ausrufen der Verwunderung und des Entsetzens über unsere Leichtsinnigkeit. Johann Grünstein war nur etwa fünf Fuß hoch, hatte graues, gekräuseltes Haar, das ihm wie ein riesiges Stück Rohwolle um den großen Kopf stand, einen gewaltigen, ebenfalls grauen Schnurrbart und darüber eine dicke Hornbrille. Ich habe ihn immer nur korrekt gekleidet erlebt, und auch jetzt, hier im verregneten Höllental, trug er einen tadellosen grauen Anzug mit Weste und passender Krawatte, darüber einen hellen Sommermantel. Seine charmante österreichische Art war unwiderstehlich, aber von Kollegen hatte ich erfahren, daß er, sobald es um sein Fachgebiet ging, unerbittlich und knallhart sein konnte.
Vor dem Eingang der Höllentalhütte stand breitbeinig ein mittelalterlich wirkender Mann mit langen blonden Haar und einem ziemlichen Bierbauch und blickte uns mißmutig entgegen. Noch bevor wir ein Wort der Begrüßung hervorbringen konnten, raunzte er uns etwas entgegen. Grünstein lächelte und antwortete in ähnlichem Tonfall. Das ging eine paar Male hin und her, dann wandte sich der Hühne von uns ab und blickte wieder angestrengt in den grauen Regen, ohne uns weiter zu beachten.
Grünstein lächelte und meinte erklärend: "Der Hüttenwirt."
"Was 'at er gesagt?" erkundigte sich Francoise.
Grünstein wiegte seinen großen Kopf. "Nun, er hat seine allgemeine Meinung zu Bergtouren bei diesem Wetter kundgetan", meinte Johann vage und drängte uns in die Hütte.
"Isch wette, er hat sich nischt sehr positiv dazu geäußert", flüsterte Francoise mir zu.
"Da hat er auch nicht ganz unrecht", gab ich zurück.
"Wenn ich den Wettersturz vorausgesehen hätte, ..."
Francoise nickte zustimmend.
"Oui, es war wohl etwas leischtsinnig", gab sie zu.
"Aber es 'at trotzdem Spass gemacht."
Wir verschlangen heißhungrig ein schrecklich süßes Gericht namens 'Kaiserschmarrn', das wir auf Grünsteins Empfehlung bestellten, und warteten danach bei mehreren Glas Bier darauf, daß der Regen nachließ.
"Und wann sind Sie in Garmisch eingetroffen?" wollte Grünstein von uns wissen und stieß mit uns an.
"Ich bin schon seit vorgestern in dieser schönen Gegend."
Francoise erklärte, daß sie zusammen mit Jean Pascale im Auto gekommen sei.
"Und ich bin gestern direkt von San Francisco nach München geflogen und dann mit einem sehr langsamen Zug bis Garmisch gefahren", berichtete ich.
"Allein?"
Ich nickte.
Der Chef ist zu beschäftigt. Und von den Kollegen wollte keiner mit."
Das stimmte nur zur Hälfte. Ich wußte, daß Archie nur zu gerne mitgekommen wäre, aber er hatte sich schon vor Jahren mit Hohlbein dem General Secretary des Workshops verkracht. Eher hätte er einen Kongress über die Technik der Biberfalle in Alaska besucht als einen Workshop, der von Hohlbein organisiert wurde. Morgen würde der Workshop mit dem Thema 'Speaker Recognition and Verification' offiziell mit der Plenarsitzung um zehn Uhr beginnen. Heute stand nur die Anmeldung und der übliche Stehempfang im Kongreßzentrum auf dem Programm. Der Workshop sollte vier Tage dauern und keine parallelen Sitzungen enthalten, was alle Beteiligten immer wieder lobend hervorhoben. Mein Vortrag war erst übermorgen dran.
Außer ein paar durchnästen, italienischen Touristen, die ängstlich dem heftigen Regen lauschten, saß noch ein Gruppe von sechs Einheimischen im Gastraum, die ich vorsichtig als malerisch-rustikal bezeichnet hätte. Sie unterhielten sich lärmend und mit ernster Miene in einer Sprache, die mit dem normalen Deutsch, wie ich es vom College her kannte, nur noch wenig gemein hatte. Grünstein lauschte interessiert und versuchte, uns durch simultane Übersetzung auf dem Laufenden zu halten. Es handelte sich um die Geschichte einer Seilschaft, die vor einigen Jahren eine Route in der Alpspitznordwand verfolgt und mitten in der Wand - so wie wir heute - von einem plötzlichen Sommergewitter überrascht worden war. Die Blitze gingen wie üblich durch die schneebedeckten Rinnen der Wand ab, gefährlich nahe an der Nische vorbei, wo sich die vier Kletterer an den Fels gesichert hatten. Nach einem besonders heftigen Einschlag wurden die Bergsteiger bewußtlos. Und als sie nach einigen Sekunden wieder zu sich kamen, fehlte ein Rucksack und - einer ihrer Kameraden. Am Fels baumelte nur noch ein verschmorter Rest Rebschnur. Der Leichnam wurde bis heute nicht aufgefunden.
Gegen vier Uhr nachmittags klarte es auf und wir machten uns zusammen mit vielen anderen Touristen, die vor dem Regen in der Hütte Zuflucht gesucht hatten, auf den Rückweg nach Garmisch. In der Höllentalklamm tobte das Wasser. Grünstein schrie uns zu, daß beim Hinaufsteigen noch nicht mal halb so viel Wasser in der Klamm gewesen wäre. Kein Wunder nach dem anhaltenden Regen. In Hammersbach leisteten wir uns ein Taxi zurück zum Kongreßzentrum. Ich ging auf mein Zimmer, stellte den Wecker auf acht Uhr, fiel aufs Bett und schlief sofort ein.
Nur mühsam erwachte ich aus bleiernem, traumlosen Schlaf, als der Wecker düdelte. Ich tappte schlaftrunken in die Dusche und ließ den eiskalten Strahl minutenlang über meinen jetlag-geplagten Körper zischen. Draußen war es schon fast dunkel, als ich, gerade noch pünktlich, an Francoise Türe klopfte. Sie öffnete in einer Wolke von köstlichen Düften und bat mich noch für einen Moment hereinzukommen. Sie hatte sich wirklich elegant hergerichtet, und ich schämte mich ziemlich für meine spießigen, zerknitterten Klamotten.
"Armer Schorsch", sagte sie mitfühlend, während sie sich Ohrstecker anlegte und mich im Spiegel beobachtete . "Du mußt sehr müde sein nach dem langen Flug, und dann noch die Alpspitze. Keine Angst, wir bleiben nischt lange aus 'eute."
Es war erfrischend, mit Francoise auszugehen. Sie plauderte fröhlich und unbekümmert, war völlig ungezwungen und natürlich. Wenn ich mit einem amerikanischen Mädchen einen Date hatte, war das immer eine irgendwie komische Situation. So, als ob man schon implizit gefragt hätte, ob sie mit einem hinterher ins Bett steigen wollte. Irgendwie verklemmt und so weiter. Deshalb hatte ich auch viel mehr Hemmungen, ein amerikanisches Mädchen zum Abendessen auszuführen, als zum Beispiel Francoise. Für sie war es eben nur ein gemeinsames Abendessen unter Freunden, weiter nichts. Was danach kam oder kommen könnte, darüber machte sie sich vorher keine unnötigen Kopfschmerzen. Beneidenswert. Nach dem, übrigens viel zu fetten dinner machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch das dunkle Garmisch. Ein winziges Nest, aber ausgestattet mit allem amerikanischen Junk, den man sich vorstellen konnte: MacDonalds an jeder Ecke, Baskin Robins, Pizza Hut durfte natürlich auch nicht fehlen.
Dazwischen glücklicherweise auch noch einige uralte Gasthäuser mit erstaunlichen, rätselhaften Verzierungen über den niedrigen Eingangstoren. Aus den kleinen Fenstern drang Gelächter und geselliger Lärm. Ein unbestimmtes Gefühl der Sicherheit und Behaglichkeit lag über dem ganzen Ort. Plötzlich stutzte ich und blieb abrupt stehen. 200 Yards vor uns ging eine Gestalt auf dem gegenüberliegenden Gehsteig, die mir bekannt vorkam. Diese Körperhaltung, die Art beim Gehen den Oberkörper so weit nach vorne zu strecken und die Arme nicht zu bewegen. Die Person entfernte sich rasch von uns. Das war doch Archie! Ganz unverkennbar, wie er jetzt eben den Arm gehoben und sich übers glatte Haar gestrichen hatte. Die undeutlich erkennbare Gestalt bog um eine Ecke und war außer Sicht. Hastig bat ich Francoise, hier auch mich zu warten und setzte mich in Trab. Ich erreichte die Ecke, wo ich die Figur das letzte Mal gesehen hatte und spähte in die dunkle, abzweigende Gasse. Keine Menschenseele zu sehen. Oder war es die nächste gewesen? Sicherheitshalber verfolgte ich beide Abzweigungen ein paar Schritte. Da war er wieder. Er trat aus einem hell erleuchteten Hausflur wieder auf die Gasse und kam mir entgegen. Ich verlangsamte meinen Schritt. Es war ein Fremder. Er hatte eine entfernte Ähnlichkeit mit Archies Art zu gehen, aber sein Gesicht war mir fremd. Der Mann verlangsamte ebenfalls seinen Schritt und betrachtete mich neugierig, aber nicht feindselig. Dann fragte er mich etwas auf Deutsch.
Ich schüttelte den Kopf, lächelte höflich und sprach die wenigen deutschen Worte, die ich konnte: "Nein, danke."
Der Mann lächelte ebenfalls und ging unbekümmert an mir vorbei. Ich trabte zurück zur Hauptstraße, wo Francoise unter einer altmodischen Straßenlaterne mit moderner Glühbirne, ganz in gelbes Licht getaucht, auf mich wartete.
"Was war denn los?" wollte sie wissen.
"Ich dachte, ich sehe einen Arbeitskollegen von mir", sagte ich lahm. "Er war es natürlich nicht. Wie sollte er auch hier sein. Archie - so heißt der Kollege - ist ein paar Tausend Meilen von hier entfernt in Berkeley."
Francoise neckte mich und lachte mich aus. Dann hakte sie sich wieder bei mir ein und ich brachte sie artig bis zu ihrer Zimmertüre. Sie hatte einen kleinen Schwips und mischte immer mehr Französisch in ihre Unterhaltung.
Sie sperrte kichernd ihre Türe auf, drehte sich rasch zu mir um und umarmte mich leidenschaftlich. Dann sagte sie leise: "Bon nuit. Bis morgen, Schorsch", und war verschwunden. Ich hörte sie durch die geschlossene Türe ein fröhliches Liedchen summen.
So einfach war das, dachte ich und fühlte noch ihre süße kleine Zunge und ihre weichen Lippen auf meinem Mund. Keine verlegenen Szenen, keine fadenscheinigen Entschuldigungen. Ein langer Kuß und gute Nacht. Basta.
Ich drehte mich um und ging in mein Zimmer.
Die Verwechslung mit Archie hatte meine Gedanken auf Berkeley gerichtet. Die kleine verrückte Stadt gleich gegenüber von San Francisco mit seiner berühmt-berüchtigten Universität, an der Archie und ich arbeiteten. Berüchtigt, weil von hier die Studentenrevolten der 60iger Jahre ausgingen. Peoples Park, südlich vom Campus, war heute noch das Heiligtum der Linken, der Spinner und Homeless, der Weirdos, der altgewordenen Hippies. Berühmt wegen ihrer bahnbrechenden Arbeiten im Bereich der Computerwissenschaft. Computer Science war auch der Name unseres Departments, eines der größten an der UCB. Die Gruppe von Prof. B. Peters war nur ein winziger Teil davon. Peters lehrte und forschte im Bereich der automatischen Spracherkennung. Der alte Wunschtraum von der redenden und verstehenden Maschine. Archie und ich arbeiteten dagegen ausschließlich an Sprecherverifikation und Sprechererkennung.
Ich legte mich ins Bett, aber wie oft bei so langen Zeitverschiebungen war ich jetzt plötzlich hellwach. Meine Armbanduhr zeigte zwei Uhr nachmittags. Ich versuchte, angenehme einschläfernde Gedanken zu finden, aber alles, was ich mir vorstellen konnte, war Francoise, wie sie nackt in Seidenlaken hingebettet dalag. Um mich abzulenken, dachte ich wieder an Archie. Kein Wunder, daß ich ihn vorhin halluziniert hatte. Eigentlich sollte er an meiner Stelle sein. Er arbeitete schon länger in dem Gebiet als ich. Vieles hatte ich von ihm gelernt. 'Poor Archie' hieß es immer hinter seinem Rücken. Er war ein guter Wissenschaftler, sorgfältig, gewissenhaft, kreativ. Er hatte nur ein großes Manko: Er konnte seine Ergebnisse nicht darstellen. Es war wie verhext. Seine Artikel waren inhaltlich brillant, aber völlig unverständlich. Seine Vorträge eine Katastrophe. Wenn er zu mehr als einer Person sprechen mußte, begann er, völlig die Fassung zu verlieren. Er stotterte herum, verlor dauernd den Faden, sprach undeutlich und monoton. Seine Lectures, wenn er mal welche halten mußte, waren nach kurzer Zeit wie leergefegt. Niemand konnte seinen Vortragsstil länger ertragen. Kurz, jeder, der ihn nicht persönlich kannte, hielt ihn für einen Trottel. 'Poor Archie' flüsterte Minni, unsere Sekretärin hinter ihm her, wenn er wieder mal eine Absage zu einem Kongress oder einer Veröffentlichung erhalten hatte, und mit eingezogenen Armen und weit vorgebeugtem Oberkörper in sein Cubicle zurückschlich. 'Poor Archie'... Meine Gedanken verloren sich wieder in einer multimedialen Studie von Francoises wohlgeformtem Hinterteil.
Leise fluchend schwang ich nach einer halben Stunde, immer noch hellwach, meine Beine aus dem Bett. Auf dem Bettrand sitzend wartete ich, bis meine Erektion nachließ. Dann stand ich auf und holte mein Powerbook aus dem Koffer. Das Telefon in meinem Zimmer hatte einen völlig anderen Stecker als man im Rest der Welt vorfindet, aber darauf war ich vorbereitet. Frank hatte mir einen entsprechenden Adapter gleich mitgegeben. Ich wählte die Nummer in München, die er mir per email geschickt hatte. Tatsächlich meldete sich ein Modem und kurz darauf erschien folgende Meldung auf dem Display: Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Zugangskontrolle Waehlanschluesse Benutzen Sie Ihre Kennung des LRZ-Sun-Clusters. Falls Sie keine LRZ-Sun-Kennung besitzen, wenden Sie sich bitte an Ihren 'master user' im Institut bzw. einen Betreuer am LRZ.
Dann erfolgte die übliche login Aufforderung. Ich loggte mich mit Franks Kennung ein und fand, nachdem ich einige Menus durchlaufen hatte, einen Server">PPP-Server. Jetzt mußte ich nur noch PPP aktivieren und mein Powerbook war über die Telefonleitung im Internet. So einfach war das. Mit Telnet erreichte ich meinen Rechner socrates in Berkeley. Ich loggte mich ein und bekam die durchaus unübliche, aber mir vertraute Aufforderung: For access please sent AU soundfile with the following text to ftp://socrates.cs.berkeley.edu/homes/pub/auto.au Text: "It's not the sun that comes up green."
Diesen Gag hatten Archie und ich vor ein paar Monaten an unseren Rechnern eingeführt. Wozu arbeiteten wir denn sonst auf dem Gebiet der Sprecherverifikation? Sprecherverifikation bedeutet nichts anderes, als daß ein Unbekannter sich gegenüber einem Computer als ein bestimmter und dem Rechner bekannter Benutzer ausgibt. Zur Verifikation dieser Behauptung läßt der Computer den Unbekannten einen wahllos ausgewählten Text sprechen und beurteilt anhand des akustischen Signals, ob es sich tatsächlich um den Betreffenden handelt oder nicht. In ersterem Fall wird der Benutzer zugelassen, in letzterem wird ihm der Zugang verweigert.
Ich aktivierte das Programm Soundmachine und sprach den Text "It's not the sun that comes up green" langsam und deutlich in das Mikrophon des Powerbooks. Das aufgezeichnete Signal wurde blitzschnell kodiert und in einem Sound File gespeichert. Dieses File schickte ich mit dem FTP- Programm Fetch an meinen Rechner socrates in Berkeley. Dort lauerte schon ein Daemon, das ist ein kleines fleissiges Programm im Hintergrund, auf das Erscheinen dieser Datei und begann unverzüglich den Inhalt auszuwerten. Nach nur fünf Sekunden erschien auf meinem display: User moltkeg recognized.
Please erase soundfile on your host immediately!
% Es hatte also geklappt. Der Rechner socrates hatte die Stimme seines Herrn erkannt und ihn gnädig zugelassen. Ich hoffte, während des Workshops diesen kleinen Gag noch mehrmals vorführen zu können, und betete jetzt schon, daß es immer so schön reibungslos klappen würde wie gerade eben.
Bei der Sprecherverifikation gab es nämlich vier mögliche Fälle: Der erste war das, was ich gerade gemacht hatte und wurde korrekte Zulassung genannt (correct access). Der zweite Fall bestand darin, daß sich ein Fremder für den User moltkeg ausgab und dann vom Rechner nicht zugelassen wurde. Dies wurde korrekte Zurückweisung genannt (correct reject).
Der dritte und vierte Fall waren die Fehlerfälle, die idealerweise nie auftreten sollten. Der Rechner wies einen Benutzer ab, obwohl es sich wirklich um den Richtigen handelt (wrong reject), oder der Rechner läßt jemanden zu, der vortäuscht, ein bestimmter Benutzer zu sein (wrong access). Der letzte Fall ist natürlich der schlimmste und sollte möglichst selten vorkommen. In Gegensatz dazu ist es zwar lästig, wenn man als echter Benutzer einmal irrtümlich abgewiesen wird, aber schließlich ist das noch kein Beinbruch.
Sprecherverifikation ist eine noch ziemlich junge Wissenschaft. Aber mit den immer leistungsfähigeren Computern und der immer weiter steigenden Gefahr von Mißbrauch, wird unser Fachgebiet immer aktueller. Inzwischen weiß jeder Computerbenutzer natürlich theoretisch, wie er seine Daten durch gut gewählte Passwörter vor fremden Zugriff schützen kann. Aber in der Praxis sieht es leider immer noch so aus, daß die meisten Benutzer irgendwelche leicht zu merkende Wörter oder Namen als Passwörter verwenden, welche für einen erfahrenen Hacker ganz leicht zu knacken sind. Standardisierte Sprecherverifikation wäre ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma.
Ich schaute nach mail. Nichts Wichtiges. Das meiste war Routinezeugs und konnte bis nächste Woche in der Mailbox warten. Ich schaute noch, wer alles eingeloggt war und brach die Verbindung ab. Schließlich kostete die Leitung nach München allerhand Telephongebühren, und hier vom Hotel aus war es gewiß auch nicht gerade billig.
Ich schloß das Powerbook und legte mich wieder hin.