Ich mache gute Miene zum bösen Spiel und marschiere am Dienstag morgen zu nachtschlafender Zeit hinüber in den CIP-Pool, wo bereits zwanzig Studenten (tatsächlich nur männliche!) im PRAPPRO meiner LEERweisheit harren.
"Meine Herren", sage ich, "heute vergessen Sie mal alle Theorie und bemühen Ihren gesunden Menschenverstand."
Man grinst unsicher und schielt in die Unterlagen, ob der Punkt 'Gesunder Menschenverstand' überhaupt im Vorlesungsprogramm steht.
Ich schalte den LEERmonitor aus, gehe nach vorne und male drei geschlossene Türen nebeneinander auf die Tafel.
"Hier sehen Sie drei geschlossene Türen. Hinter einer befindet Hella von Sinnen, hinter einer zweiten Helga Feddersen und hinter der dritten - Michelle Pfeiffer. Sie wissen aber nicht, welche Dame hinter welcher Türe steht - ich dagegen schon. Ihre Aufgabe besteht nun darin, eine der Türen zu öffnen und mit der dahinter befindlichen Dame... hmm... einen Abend zu verbringen. Wen würden Sie natürlich am liebsten finden?"
Ich deute auf einen pubertär grinsende Jüngling in der ersten Reihe.
"Äh... Michelle Pfeiffer?"
"Richtig! Und wie sind Ihre Chancen?" Ich deute auf seinen Nachbarn.
"Ein Drittel."
"Korrekt. Also etwa 33 zu 66. Jetzt ändern wir die Spielregeln etwas: Sie entscheiden sich zunächst wie vorher für eine der drei Türen, ÖFFNEN SIE ABER NOCH NICHT!
Dann öffne ICH eine der beiden übrigen Türen und zeige Ihnen, dass sich Michelle Pfeiffer dahinter NICHT befindet.
Jetzt haben Sie noch einmal die Wahl, ob Sie bei Ihrer ersten Entscheidung bleiben oder sich für die dritte, noch geschlossene Tür entscheiden. Bringt diese Möglichkeit zur Umentscheidung irgendeinen Vorteil für Sie?"
Zögerndes Kopfschütteln.
"Es ist also egal, ob Sie sich umentscheiden oder ob Sie bei Ihrer ersten Entscheidung bleiben?" frage ich.
Ein Student hebt die Hand.
"Es ist ganz egal", sagt er selbstsicher. "Denn wir wissen ja jetzt sicher, dass hinter den verbleibenden beiden Türen Michelle Pfeiffer und eine... von den anderen steht. Folglich ist es egal, ob ich mich umentscheide oder nicht. Die Chancen für einen Treffer bei der zweiten Entscheidung stehen 50 zu 50."
"Ist das auch die Meinung der anderen?" frage ich in die Runde.
Allgemeines Köpfenicken.
"Gut", sage ich. "ICH behaupte jetzt, dass es durchaus einen Unterschied macht. Und zwar behaupte ich, dass Sie bessere Chancen haben, bei Michelle Pfeiffer zu landen, wenn Sie sich IMMER umentscheiden."
Das Studentenvolk glotzt ungläubig.
"Wenn Sie mir nicht glauben, biete ich eine kleine Wette an: Ich setzte jeweils fünf Mark pro Mitspieler auf meine Theorie, und Sie - wenn Sie mitspielen wollen - setzen jeder fünf Mark auf Ihre Theorie. Nachdem wir herausgefunden haben, wer Recht hat, wird der Jackpot auf die Gewinner verteilt."
Ungläubiges Grinsen; die Studenten gucken sich verblüfft an.
Von wegen 'applikationsorientierte Programmierung'! Diese Frischlinge haben noch keinen Dunst vom wirklichen Leben da draussen!
Ich werde dafür sorgen, dass sie zumindest diese Lektion nicht so leicht vergessen!
Der Naseweis von vorhin meldet sich wieder.
"Und wie finden wir heraus, welche Theorie die richtige ist?" will er wissen.
"Sie sind hier in einem Programmierpraktikum für 'applikationsorientierte Programmierung'", antworte ich süffisant lächelnd, "ist Ihnen das schon aufgefallen? Na, also! Dann programmieren Sie jetzt eine Simulation beider Theorien und lassen ein paar zigtausend Experimente durchlaufen.
Dann werden wir ja sehen, wer recht hat..."
Neunzehn von zweiundzwanzig setzen fünf Mark auf die 'fifty/fifty'- Theorie. Die restlichen drei Spielverderber merke ich mir für die Zwischenprüfung vor!
Dann lasse ich die Burschen loshacken. Ich sacke inzwischen das Geld ein und gehe hinüber zum 'Compu 4000', wo ich den neuesten Data-Glove erstehe.
Als ich nach eineinhalb Stunden zurückkomme, sehe ich ringsherum lange Gesichter. Bis auf einen Schmalspur-Programmierer, der einen Bug in seiner Zufallsroutine hatte, haben alle Ergebnisse herausbekommen, die meine Theorie bestätigen.
"Sie sehen also, meine Herren", fasse ich zusammen, "den gesunden Menschenverstand benutzen, heisst in erster Linie, ihm nicht zu trauen. Im Zweifelsfalle lieber ERST simulieren, DANN denken!
GROSSES BAfH-WINTERQUIZ
Auf welche Chancen, bei Michelle Pfeiffer zu landen, kommt der BAfH mit seiner Strategie? (Mit Begründung!)
Wer die erste richtige Antwort einsendet, bekommt ein kostenloses Exemplar des neuen Buchs 'ONLINE' zugeschickt, in welchem erstmals die Geschichten des BAfH veröffentlicht wurden (Ladenpreis DM 12.90).
Wer KEINE oder eine FALSCHE Antwort einsendet, wird dazu verdonnert, sich gefälligst selbst ein Exemplar zu kaufen (schliesslich muss ich an meine Tantiemen denken, hähähähä!)!
LETZTE ANMERKUNG DER REDAKTION
Der vorliegende Text wurde von einem Mann unter ausschliesslicher Benutzung von Männern geschrieben und trägt daher deutlich chauvinistische Tendenzen!
Überzeugten EmanzipistInnen empfiehlt die Redaktion, VOR DER LEKTÜRE folgenden Befehl auszuführen:
% cat bafhˍ37 | sed 's/Michelle Pfeiffer/David Hasselhoff/' | \
> sed 's/Helga Feddersen/Ignaz Kiechle/' | \
> sed 's/Hella von Sinnen/Peter Gauweiler/' > bafhˍ37.emanz
ALLERLETZTE ANMERKUNG DES POSTMASTERS
Es versteht sich von selbst, dass bei diesem Preisausschreiben nur treue Abonnenten berücksichtigt werden können. D.h. für alle diejenigen, die immer noch nicht auf der 'Bastard Mailing List' stehen und trotzdem mitmachen wollen, gilt:
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© Copyright Florian Schiel 1997
ja, Leute.
Leider lieg ich danieder, es hat mich umgewaffelt, sozusagen!
Daher gibt's diese Woche keine Geschichte - schiebt's auf die Grippe, wenn ihr unbedingt einen Schuldigen braucht!
Immerhin hab' ich schon wieder eine vage Vision von einem rotzenden, hustenden BAfH, der mit echten und Computerviren eine wahre Ansteckungsorgie bei Mensch und Maschine auslöst. Nun ja, davon vielleicht nächste Woche...
Für heute bleibt mir, den glücklichen Sieger im GROSSEN BAFH WINTER QUIZ vorzustellen. Es ist...
Ja, ganz so leicht war die Sache natürlich wieder mal nicht (wie sollte sie auch!):
Ich hatte geschrieben, das derjenige zu Sieger bekränzt würde, der als ERSTER und mit BEGRÜNDUNG die RICHTIGE Lösung einschicken würde.
Nun ja, RICHTIG waren die Lösungen (bis auf eine) alle. (Was mir schon verdächtig vorkam, aber entweder ist das Rätsel schon zu abgelutscht oder es haben halt nur die ganz hellen Köpfe email!)
Als ERSTER hat HANNO WAGNERs mail in meinem Postkasten geklingelt. Mit zwanzig Minuten nach Verschicken der Story ein Guinessbuch-verdächtiger Rekord.
Nur leider passte mir seine Begründung nicht so ganz. Also schickte ich sie wieder zurück mit der Bitte um Nachbesserung.
Wahrend Hanno noch fieberhaft hackte, klingelte TOM KOEHLERs Antwort im Kasten. Die Begründung war makellos, fast druckreif.
(Tatsächlich behauptete später jemand, dass er diese Begründung genauso in einem Lehrbuch schon mal gesehen hätte...)
Wenige Minuten später war Hanno wieder da, mit einer sehr schön nachgebeserten Lösung.
Was tun? Ich wollte erst zwei Sieger erklären, als eine weitere mail von Tom Köhler eintraf (der mit der Lehrbuchlösung). Er verzichte sozusagen auf die Siegprämie, weil er 'die Lösung schon gekannt habe'.
Nun, ja.
Einer solch noblen Geste kann ich mich nicht verschliessen und erkläre somit
THOMAS KOEHLER
zum Sieger
und
HANNO WAGNER
zum gewinnenden Sieger
Herzlichen Glückwunsch!
(Hanno! Von dir brauch' ich noch die Adresse!)
Und für alle die immer noch nicht wissen, mit wieviel Chancen der BAfH bei Michelle Pfeiffer (da wars wieder!) landet, kommt hier die Musterlösung von Thomas Koehler:
2/3 Es gibt verschiedene Begründungen, aber die einfachste ist die Simulation der Wahrscheinlichkeiten: Tor 1 Tor 2 Tor 3 x o o (ich will x) Meine wahl Quizmaster zeigt Umentscheidung Sieg? 1 2 oder 3, egal auf 3 oder 2 noe, schade 2 3 1 Ja! 3 2 1 JA!Spielstand: 1:2 für mich ... mach also 2/3
... und das geht genauso, wenn x bei 2 und 3 ist ....
so ist das zumindest am Anschaulichsten
genaür ist: ich habe 2/3 Chance, mich am Anfang fehlzuentscheiden. Bei Umentscheidung treffe ich bei vorheriger Fehlentscheidung IMMER die richtige ... also hebe ich beim Umentscheiden dann genau die 2/3 Chance. Es ist also bei der Strategie immer besser, sich fehlzuentscheiden ... und wahrscheinlicher ;-)))
Have Fun!