Herbert ist Systemadministrator im Rechenzentrum einer grösseren deutschen Bank und passt auf die veralteten Minis auf, die ständig Millionen unterschlagener Steuergelder um den Globus schieben, damit das Finanzamt sie nicht so leicht aufspüren kann. Naturgemäss langweilt er sich in seinem Job zu Tode - genau wie ich.
Also spielen wir 'Windoofs Versenken', um die Zeit totzuschlagen...
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Aha! Dacht' ich's mir doch, dass jetzt alle wissen wollen, wie die Spielregeln sind! Also, bitte alle Windoofs-Nutzer jetzt mal kurz weghören...
'Windoofs Versenken' funktioniert ganz analog zum traditionellen 'Schiffe Versenken' (das, nebenbei bemerkt, von einem römischen B.C.f.H. (Bastard Captain from Hell) während des ersten punischen Kriegs erfunden wurde). Das Spielfeld ist das gesamte Internet, und - im Gegensatz zum 'Schiffe Versenken' - ist es egal, welche Windoofs-Rechner man abschiesst. Jeder Rechner, der 'hängt', gibt einen Punkt; jeder ge-bootete Rechner zählt zwei Punkte. Es gibt keine Begrenzung in der Zahl der Mitspieler. Im Gegenteil: das Spiel wird desto besser, je mehr sich dran beteiligen. Der Spieler, der gerade am Zug ist, gibt über chat eine IP-Adresse an die anderen Spieler durch, den sogenannten 'target host'. Dann hat er drei Minuten Zeit den 'target host' abzuschiessen. Die anderen Mitspieler überzeugen sich durch 'ping', dass das Opfer wirklich weidgerecht erledigt wurde, und der Spieler bekommt seine Punkte auf einer extra dafür eingerichteten 'score page' eingetragen. Dann kommt der nächste Spieler, und so weiter und so fort.
Die Kunst besteht weniger darin, die Windoofs-Rechner zu killen (korruptes ICMP genügt normalerweise!), als vielmehr sie im Netz aufzuspüren. Nach sechs bis sieben Stunden Spielzeit sind die meisten üblichen PC-Labors abgegrast (ich vergass zu sagen, dass man natürlich jeden 'target host' nur einmal killen darf; auf der 'score page' wird eine entsprechende Liste geführt), und es wird immer trickreicher, die Dinger hinter den 'fire walls' der Firmen aufzuspüren. Erlaubt sind auch sogenannte Salven. Das bedeutet, dass der Spieler mit einem einzigen Schuss eine ganze Gruppe von vernetzten Windoofs-Rechner versenkt. Das geht nur, wenn man über die Vernetzung genau Bescheid weiss: man killt einen Rechner; der killt beim Hochfahren den nächsten, und so fort. Für erfolgreiche Salven mit mehr als fünf ge-booteten Windoofs-Rechnern erhält man zusätzlich einen Bonuspunkt.
Die Leute denken immer, dass Windoofs-Rechner deshalb so häufig abstürzen, weil das Betriebssystem Sch.... ist . Jetzt wisst ihr den wahren Grund!
Im Moment führe ich mit 7567 Punkten vor Herbert, der mir mit 7523 knapp auf den Fersen ist. In den Microsoft Hotlines laufen jetzt sicher wieder mal die Telefone heiss. Die Dispatcher sollten mir dankbar sein! Ich sorge dafür, dass sie ihren Job nicht verlieren!
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Ihr wollt noch mehr lustige Gesellschaftsspielchen kennenlernen?
Na gut. Manchmal spiele ich auch 'Avalanche'. Das ist eher was für einen Spieler, so ähnlich wie Solitaire:
'Avalanche' könnt ihr noch gar nicht kennen (nicht mal die echten Freaks unter euch!), weil ich es erst vor ein paar Tagen erfunden habe.
Es ist ganz einfach: man sucht sich eine unmoderierte Mailingliste mit mindestens 1000 Mitgliedern und schickt irgendeine saublöde Mail an den Reflektor. Zum Beispiel:
"... und dann möchte ich noch sagen, dass ich die letzte Mail von dem und dem A........ überhaupt nicht kapiert habe. Da kommen lauter komische Ausdrücke drin vor und so.
Ach ja, und dann wollte ich noch sagen, dass ich im Keller noch eine halbwegs funktionstüchtige Wäscheschleuder habe, und die würde ich gerne verkaufen, und wer Interesse daran hat, der soll mir doch bitte auf dieser Liste antworten. Ausserdem hat meine Grossmutter letzte Woche..."
.... und so weiter. Also möglichst blödsinniges Zeug, das jedem halbwegs normalem Leser die Nackenhaare zu Berge stehen lässt, und er sich zum hunderttausendsten Male fragt, warum er sich diesen Schwachsinn eigentlich antut.
Diese Mail ist sozusagen der Schneeball, der die 'Avalanche' anstösst. Was jetzt passiert, ist folgendes (und wieder mal ein wunderbares Beispiel für die Psychologie der grossen Masse!):
Von den 1000 Empfängern schmeissen 970 die Mail achselzuckend in den Mülleimer. Die restlichen dreissig gehören zu der Gattung Mensch, die nie etwas kommentarlos hinnehmen können. Zum Glück ist diese besondere Sorte Mensch im Internet noch häufiger vertreten als sonst. Diese dreissig schicken also alle ein geharnischtes 'flaming' zurück an den Absender der blödsinnigen Mail, also an mich. Rein statistisch gesehen sind unter dreissig Sendern garantiert mindestens drei dabei, die nicht darauf achten, dass ich als Reply-Adresse nicht meine eigene Email, sondern die der Mailing-Liste eingetragen hatte.
Also gehen die hübschen 'flamings' wieder an alle 1000 Empfänger der Liste.
Die wiederum sind sowieso schon leicht genervt über all die unnötigen Mails, also finden sich logischerweise diesmal über 100, die einen abfälligen Kommentar zurückschicken - meistens von der Art: 'Stoppt diesem Blödsinn!!!' oder 'Ich will runter von dieser Sch.... Liste!!!'. Und natürlich sind wieder 10% statistische Idioten dabei, die das ganze wieder an die ganze Liste schicken, und so weiter und so fort!
In Null-Komma-Nix hat man ein paar tausend Emails voller Beleidigungen und Morddrohungen, die kreuz und quer über durch das Netz huschen: die 'Avalanche' ist in voller Fahrt und nicht kann sie aufhalten!
Gewöhnlich flaut die Aktivität dann nach ein paar Tagen wieder ab, weil die Leute von den vielen Mails zu erschöpft sind, um nochmal den Reply-Knopf zu drücken - die 'Avalanche' läuft langsam aus.
(Wer es bis jetzt noch nicht kapiert hat: 'Avalanche' bedeutet schlicht und einfach 'Lawine'.)
Das Schöne an diesem Spielchen ist, dass - wie bei einer echten Lawine - nichts, aber auch gar nichts dagegen unternommen werden kann. Die einzige Methode wäre ja die, dass auf den ersten 'Schneeball' einfach niemand antwortet. Das widerspricht aber so grundsätzlich dem menschlichen Naturell (statistisch gesehen!), dass es praktisch niemals vorkommt! Hähähä...
Und wenn wir schon gerade von 'Avalanches' sprechen:
Es gibt natürlich auch sehr nützliche Lawineneffekte, zum Beispiel wenn es darum geht, das neue B.A.f.H.-BUCH an den Mann zu bringen!
Ihr habt richtig gehört! Es gibt jetzt den kompletten und einzigen 'Bastard Assistant from Hell' als BUCH zu kaufen! ENDLICH!
(Wer von euch nicht mehr weiss, was ein Buch ist: das ist ein altmodischer Datenträger auf Zellulose-Basis, auf dem die Information in Form von graphischen Elementen im Ikositetral-System kodiert ist, mit Inline-Graphik und Fixformatierung. Der Vorteil ist: es braucht keinen Telefonanschluss und keine Akkus, und ist verglichen mit einem Notebook geradezu lächerlich preiswert!)
Das BUCH ist ein absolutes MUSS für alle Abonnenten der 'Bastard Mailing List' (ihr habt jetzt lange genug schmarotzt!), für alle System-Administratoren oder welche, die es werden wollen (die armen Schweine!), für alle Studenten oder diejenigen, die den Mist noch vor sich haben, für alle Uni-Angestellten (mit Ausnahme der RKfH!) und alle Leute, die ihr schon lange mal vergraulen wolltet!
He! Und ausserdem ist das Ding ein echt geiles Weihnachtsgeschenk!
Natürlich gibt's das Buch erstmal nur im INTERNET (die snail reader vom Buchhandel kommen später dran und zahlen wahrscheinlich auch mehr -
Ihr geht auf die URL vom 'Schwarten Verlag' (jau, ihr habt richtig gehört: 'Schwarten Verlag'):
http://www.gns96.de/bastard/list.htm
und bestellt euch die Ausgabe, die ihr wollt, oder die euerem Geldbeutel angemessen ist. Anschliessend schreibt ihr sofort an alle eure Freunde (oder Feinde, je nach Geschmack!) eine email, dass es jetzt diese phantastische, einmalige Möglichkeit gibt, sein Geld loszuwerden...
ACHTUNG: Wer nicht bis zum 1. Dezember bestellt hat, bekommt das BUCH nicht mehr rechtzeitig unter den Weihnachtsbaum!
Die armen, armen Schweine, die noch nicht ins Web kommen, dürfen dem Verlag ausnahmsweise auch eine Email schicken:
Have Fun!
© Copyright Florian Schiel 1997