Die Geschichte dieser Woche widme ich Larry Waters, dem diesjährigen Gewinner des 'Darwin Awards'.
(Obwohl einigen von euch das folgende bekannt vorkommen wird, konnte ich nicht widerstehen. Man beachte bitte, dass ich jedwede Verantwortung am Wahrheitsgehalt der folgenden Geschichte ablehne!)
Der 'Darwin Award' wird -- wie jedermann und -frau weiss (da wars wieder!) -- jedes Jahr an diejenige Persönlichkeit verliehen, die dem humanoiden Gen-Pool den grössten Dienst erweist, indem sie sich auf die nur denkbar dümmste Art und Weise selbst liquidiert. Getreu nach Darwins Prinzip: 'Survival of the Fittest' (und nicht 'Survival of the Fattest', wie oft irrtümlich zitiert wird!).
Der Gewinner des Jahres 1995 war ein Cola-Konsument, der bei dem Versuch ums Leben kam, eine Dose Coca-Cola aus einem Automaten zu bekommen. Er kippte den Automaten nach vorne und wurde unter ihm begraben.
Der Preisträger von 1996 war ein Sergeant der amerikanischen Luftwaffe, dem sein Auto (180 Spitze) zu langsam war. Er befestigte ein 'jet engine unit' (JATO, was immer das ist) an seinem Auto, fuhr für eine kleine Testtour in die Wüste von Nevada und knallte mitsamt dem Wagen etwa hundert Meter hoch in eine Felswand
Ich glaube, ihr habt jetzt eine Vorstellung...
Und nun der Gewinner von 1997:
Larry Waters aus Los Angeles.(übrigens einer der wenigen, die die Verleihung des 'Darwin Awards' noch selbst erlebt haben...)
Seit er ein kleiner Junge war, träumte Larry vom Fliegen. Nach der Highschool trat er in die Luftwaffe ein, in der Hoffnung, Pilot zu werden. Seine schlechten Augen machten seinen Traum zunichte und er musste sich fortan damit begnügen, die Jets über seinen Garten düsen zu sehen.
Eines Tages hatte Larry einen Geistesblitz. Er wollte selber fliegen. Er ging in einen Army-Shop und erwarb 45 Wetterballone und mehrere Flaschen Helium. Ein Wetterballon misst, wenn er voll aufgepumpt ist etwa 1 Meter 20 im Durchmesser.
Zuhause befestigte Larry die Ballone an seinem Gartenstuhl und sicherte diesen wiederum an der Stossstange seines Jeeps. Dann füllte er die Ballone mit Helium.
Nope, sorry. Der Jeep flog nicht davon; dazu waren die Wetterballone doch nicht in der Lage. Aber der Gartenstuhl zerrte fröhlich an der Stossstange, und als Larry probeweise hineinkletterte, sank er nicht zu Boden.
Es würde also klappen. Aber wie wieder herunterkommen? Larry nahm seine Luftpistole mit, in der Absicht, einen oder zwei der Ballone abzuschiessen, wenn er genug geflogen wäre, und dann sanft zur Erde zurückzukehren. Dann versah er sich mit ein paar Sandwiches und einem Sixpack Bier, band sich selbst in den Gartenstuhl und kappte das Ankerseil. Er dachte, so in etwa 10 Meter Höhe über seinem Garten dahinzuschweben und die Aussicht und das Gefühl des Fliegens auszukosten.
Die Sache funktionierte -- aber nicht ganz so, wie geplant.
Als Larry das Ankerseil kappte, schoss der Gartenstuhl senkrecht in die Luft wie eine Kanonenkugel (Parallelen zu 'Baron von Münchhausen' drängen sich an dieser Stelle einfach auf!). Er schwebte nicht sanft in 10 Meter Höhe; er schwebte auch nicht in 100 Meter Höhe. Als er endlich zu steigen aufhörte, befand sich Larry 3700 Meter hoch am kalifornisch-blauen Himmel. Natürlich wusste Larry das nicht; er wusste nur, dass irgendetwas verdammt falsch gelaufen war, dass es verdammt weit bis hinunter war und dass es hier oben verdammt kalt war.
In dieser Höhe traute er sich nicht mehr, einen der Ballone abzuschiessen, in der verständlichen Befürchtung, dass noch irgendetwas verdammt schiefgehen mochte.
Also schwebte er langsam über den blauen Himmel, frierend und bibbernd -- über 14 Stunden lang.
Dann begann der Ärger erst richtig.
Der Wind trieb Larry nämlich genau in den Hauptanflugkorridor des 'Los Angeles International Airport' (LAX).
Der erste, der Larry bemerkte, war ein Pilot der Luftlinie 'United'. Er funkte den Tower an und gab durch, dass er gerade an einem Kerl in einem Gartenstuhl vorbeigeflogen war, und - der Kerl hatte eine Pistole. Nachdem sich der Tower vergewissert hatte, dass der Pilot nicht übergeschnappt war, und auf dem Radarschirm tatsächlich ein kleines, nicht identifiziertes Objekt in der Anflugschneise zu sehen war, wurde roter Alarm ausgelöst. Ein Helikopter stieg auf, um sich das näher anzusehen.
Inzwischen ging es auf die Nacht zu und der übliche abendliche Landwind blies Larry aufs offene Meer hinaus (LAX liegt genau an der Küste des Pazifiks; abgesehen von ein paar kleineren vorgelagerten Inseln kommt da bis Hawaii nichts mehr!) -- der Helikopter flog natürlich hinterher.
Einige Meilen weiter draussen holte er Larrys Gartenstuhl ein und umkreiste ihn vorsichtig. Immerhin hatte der 'United'-Pilot von einer Waffe gesprochen. Die Besatzung des Helikopters fand bald heraus, dass Larry keine bösen Absichten hatte, und beschloss, den armen Kerl an Bord zu holen. Aber immer wenn der Hubschrauber versuchte näher heranzukommen, blies der Wind der Rotoren Larrys Ballone wieder weg. Schliesslich positionierte der Pilot sich direkt über den Wetterballonen und liess eine lange Rettungsleine herab. Larry schaffte es, die Leine zu schnappen und wurde an Bord gezogen.
(Was mit dem Gartenstuhl und den Ballonen passiert ist, ist leider nicht bekannt. Wahrscheinlich kreisen die immer noch irgendwo in der Stratosphäre.)
Sofort nach der Landung wurde Larry verhaftet. Als er in Handschellen abgeführt wurde, rief ihm ein Reporter hinterher, warum er das gemacht habe. Larry drehte sich um und sagte lässig:
"Ein Mann kann nicht immer nur herumsitzen!"
Applaus für Larry Waters aus Los Angeles.
(Ziemlich frei (also bitte keine Kommentare!) übersetzt nach folgender Quelle: Email von Costas Tsatsoulis vom 18 Apr 1997 12:38:12)
© Copyright Florian Schiel 1997